Estag oder die "Vereinigung der Osterhasen"

12. April 2004, 19:16
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Gefeuerter Hirschmann rechnet im U-Ausschuss mit Paierl und VP ab: "Hab' alle informiert"

Graz - Ein Untersuchungsausschuss, zwei Welten. Während der U-Ausschuss des steirischen Landtages am Freitag versuchte, dem Skandal um Misswirtschaft im Landesenergiekonzern Estag weiter auf die Spur zu kommen, stellte der als Zeuge geladene, gefeuerte ehemalige Estag-Vorstand Werner Heinzl die schlichte Frage: "Welcher Skandal? Ich bin schon neugierig, wo der sein soll." Alle Vorgänge, alle Zahlen seien jährlich geprüft worden. Erträge und Dividenden: alles o.k. Die Rechnungshofvorwürfe, wonach es etwa keine strategische Planung und kein Kontrollsystem gegeben habe, seien auszuräumen, beteuerte auch Heinzls Exvorstandskollege Hubert Jeneral.

Dann erschien Gerhard Hirschmann. Und mit ihm einer aus einer anderen Welt. Denn Exvorstand Hirschmann nahm die Estag-Realität völlig anders wahr als Heinzl und Jeneral.

Bevor er das mit rhetorischer Wucht dem ergriffen lauschenden Auditorium des Landesparlamentes darlegte, absolvierte Hirschmann eine für diesen ernsten Rahmen seltsame Huldigungsrunde: "Hallo Benni", "Grüß dich, Kampfschreiber", "Servus Kurti". Für die ORF-Kamera schritt der blendend gelaunte "Aufdecker" gleich zweimal den Gang entlang. Endlich am Zeugenplatz, spottete er über den Auftritt der Politik vom Vortag: "Die Zentralvereinigung der Osterhasen, die von nichts wusste."

Hirschmann legte los und klar, er habe die VP-Spitze samt Landeschefin Waltraud Klasnic und Landesrat Herbert Paierl mehrmals über die Verfehlungen in der Estag informiert, sei aber stets abgekanzelt worden. Hirschmann: "Ich habe allein gegen ein Imperium gekämpft." "Freimauer"-Netzwerke seien am Werk gewesen und Berater, die die Estag von außen gesteuert hätten. Nach acht Monaten hätten ihn Paierl und die jetzige Estag-Führung, Richard Ramsauer und Johannes Ditz, zum "fein aufgestellten Schafott geführt". Und die EdF? Hirschmann: "Die Franzosen hassen mich." Weiteres wolle er bei nächsten Auftritten im U-Ausschuss kundtun. (Walter Müller, Der Standard, Printausgabe, 03.04.2004)

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