Falluja-Exzess war offenbar geplant

4. April 2004, 10:41
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US-Experte: Überfallene Fahrzeuge wurden auf ihrer Fahrt beobachtet - Bislang unbekannte Gruppe bekennt sich zur Gräueltat

Washington - Der brutale Überfall und die Tötung und Verstümmelung von vier Mitarbeitern eines privaten US-Sicherheitsdienstes im irakischen Falluja war nach Einschätzung amerikanischer Antiterror- Experten vermutlich geplant und jedenfalls keine Zufallstat.

"Die Leute, die das getan haben, - das waren nicht drei Jungen...bei einem besonderen Abenteuer", erklärte Cofer Black, Antiterror-Experte im US-Außenministerium bei einer Anhörung zu dem Vorfall am Donnerstag. Fernsehbilder von den Exzessen hatten weit über die USA hinaus Entsetzen und Empörung ausgelöst.

Überfall gelenkt

Ein anderer US-Experte bekräftigte, vermutlich seien die überfallenen Fahrzeuge auf ihrer Fahrt beobachtet worden. Es könne sein, dass die Angreifer von Hintermännern über Telefon auf die Autos aufmerksam gemacht worden seien. "Es scheint definitiv so zu sein, dass der Überfall gelenkt worden ist", erklärte der Experte, dessen Name ungenannt blieb.

Bisher unbekannte Gruppe übernimmt Verantwortung

Nach dem Überfall waren in Falluja Flugblätter aufgetaucht, auf denen eine "Gruppe des Scheichs Ahmed Yassin" sich bekannte. In Washington hieß es, man habe von dieser Organisation im Irak noch niemals gehört. Scheich Yassin, Mitbegründer und Mentor der Israel-feindlichen militanten Palästinenser-Organisation Hamas, die sich zu zahlreichen Selbstmordanschlägen bekannt hat, war kürzlich von Israel in einer gezielten Militäraktion getötet worden.

Die Ermordung der Männer sei ein "Geschenk der Menschen von Falluja an das palästinensische Volk". Familien von US-Soldaten und US-Firmenmitgliedern sollten nicht in den Irak kommen. Bei den Getöteten handle es sich um Angehörige der Geheimdienste der USA und Israels, CIA und Mossad.

"Bilder sprechen Bände"

Die Bilder der verstümmelten Leichen von US-Bürgern im Irak könnten Experten zufolge die Unterstützung in der amerikanischen Bevölkerung für den Irak-Krieg schwächen und damit auch die Chancen von US-Präsident George W. Bush auf eine Wiederwahl schmälern. "Diese Bilder sprechen Bände", sagte der Meinungsforscher John Zogby am Donnerstag. "Das ist genau das, was die Regierung Bush nicht haben wollte. Amerikaner werden hier als reale Opfer gezeigt, nicht nur als Statistiken."

Bush will sich nicht einschüchtern lassen

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, US-Präsident George W. Bush werde sich auch nach dem Anschauen der grausamen Bilder von der Verstümmelung mehrerer Leichen nicht "einschüchtern" lassen. "Wir werden unseren Plan verfolgen und unsere Arbeit zu Ende bringen", sagte Bush-Sprecher Scott McClellan in Washington. Die Taten seien "barbarisch und verachtenswert".

Der US-Arbeitgeber der vier Zivilisten zeigte sich schockiert: Die drastischen Bilder von der "unprovozierten Attacke" und der anschließenden "abscheulichen Misshandlung unserer Freunde" verdeutliche die "außergewöhnlichen Umstände, unter denen wir freiwillig arbeiten, um den Irakern Frieden und Demokratie zu bringen", teilte die private Sicherheitsfirma Blackwater Security Consulting auf ihrer Website mit.

Leichen geschändet

Am Vortag hatten jubelnde Iraker in Falluja die Leichen von vier US-Sicherheitsleuten verbrannt und brutal verstümmelt. Die US-Regierung hat dazu erklärt, sie werde sich nicht einschüchtern lassen. Der Irak-Krieg ist einer der wichtigsten Themen im US-Präsidialwahlkampf.

Nach Angaben der US-Armee wurden bei einem Anschlag auf einen US-Militärkonvoi in der Provinz El Anbar nahe Falluja am Donnerstag drei US-Soldaten verletzt. Ihr gepanzertes Fahrzeug sei von der Druckwelle einer Explosion getroffen worden, nachdem beim Vorbeifahren ein Sprengsatz gezündet worden sei, sagte General Mark Kimmit in Bagdad. (APA/Reuters)

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    US-Verwalter Paul Bremer (links) mit einem seiner Bodyguards auf dem Weg zu einem öffentlichen Auftritt in Mossul

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