UMP-Parlamentschef auf Korsika legt Amt kurz nach Wahl nieder

2. April 2004, 16:05
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Rocca Serra will keine Stimmen von Regionalisten

Ajaccio - Auf Korsika hat der konservative Politiker Camille de Rocca Serra wenige Stunden nach seiner Wahl zum Präsidenten des Inselparlaments sein Amt wieder niedergelegt. Das 49-jährige Mitglied der rechtsbürgerlichen französischen Regierungspartei UMP begründete seinen Schritt am Donnerstagabend damit, dass er seine Wahl den unabhängigkeitsorientierten Abgeordneten verdankt hatte.

"Ich bin mit den Stimmen von Abgeordneten gewählt worden, deren politische Ideen ich nicht teile", sagte er. Die ursprünglich noch im Laufe des Abends vorgesehene Neuwahl wurde später auf Sonntag verschoben.

Rocca Serra setzte sich bei der Wahl mit 27 gegen 19 Stimmen gegen den linksgerichteten Bürgermeister von Bastia, Emile Zuccarelli, durch. Im Parlament der französischen Mittelmeerinsel herrscht seit den Regionalwahlen eine Pattsituation: Bei der Stichwahl am vergangenen Sonntag hatten linksorientierte Abgeordnete die meisten Stimmen erhalten.

Mit 24 von 51 Sitzen verpassten sie jedoch die Mandatsmehrheit. Als einzelne Liste mit den meisten Stimmen erhielt die UMP-Liste um Rocca Serra 15 Sitze, die abtrünnige Liste des bisherigen Parlamentschefs und UMP-Mitglieds Jose Rossi (UMP) errang vier Mandate. Weder Rechtsbürgerliche noch Linke haben damit eine eigene Mehrheit; Zünglein an der Waage sind die korsischen Regionalisten, die acht Sitze gewannen.

Bei einem Sieg der UMP im zweiten Anlauf am Sonntag wäre Korsika neben dem Elsass die einzige französische Region mit einem Parlamentschef von der bürgerlichen Rechten. In den anderen 20 Regionen des Kernlandes hatten sich die Linken bei den Regionalwahlen durchgesetzt. Auf dem Festland sollten die Präsidenten der Regionalräte am Freitag gewählt werden. (APA)

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