Ordensspitäler schließen sich zusammen

2. April 2004, 21:35
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Kostendruck zwingt zu Zusammenarbeit und neuen Schwerpunkten in Medizin

Wien - Es sind drei vergleichsweise kleine Spitäler einzelner Orden, die sich in Wien unter das Dach der "Vinzenz Gruppe" begeben. Gemeinsam erhalten das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in der Gumpendorfer Straße, das Orthopädie-Spital in Speising und das St.-Josef-Krankenhaus in Hietzing 650 Betten in Wien. Das macht etwas mehr als fünf Prozent der gesamten in Wien verfügbaren Krankenbetten in gemeinnützigen Institutionen (wie Orden oder städtische Spitäler) aus. An der neuen Dachgesellschaft sind der Vinzenz-Orden (74 Prozent) und die Kongregation der Salvatorianerinnen (26 Prozent) beteiligt.

Grund für den Zusammenschluss

Verwaltungsdirektor Gerhard Knor erklärt, dass einem kleinen Spital wie St. Josef (164 Betten) "die kritische Masse fehlt, daher liegen wir außerhalb der Wahrnehmung der Gesundheitspolitik und -planung". Damit ist auch der zweite Grund für den Zusammenschluss genannt: die angespannte Finanzlage im Gesundheitsbereich, die auch die Ordensspitäler trifft.

Es geht um Synergien bei Einkauf und EDV. Vinzenz-Geschäftsführer Michael Heinisch spricht aber auch die bevorstehenden Verhandlungen mit der Stadt Wien an, die einen Teil der Kosten für die insgesamt acht Wiener Ordensspitäler ersetzt. 2003 hätten alle Ordensspitäler gemeinsam 20 Millionen Euro erhalten, sagt Heinisch. Der Rest wird über die leistungsbezogene Krankenanstaltenfinanzierung verrechnet, das heißt jede Operation wird über ein Punktesystem bewertet und finanziell abgegolten.

Angebot und RoutineP>

Die Zusammenarbeit der drei Spitäler bringt auch neue Schwerpunkte in der Gesundheitsversorgung. Durch eine Konzentration des Angebots auf einzelne Standorte wird auch die für die Medizin notwendige Routine erreicht. Der ärztliche Direktor Paul Aiginger präzisiert: Im Gumpendorfer Spital bildet die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Psychosomatik den Schwerpunkt. In Speising wird die Orthopädie konzentriert. St. Josef ist schon jetzt ein Zentrum für Krebspatienten und chirurgisch komplizierte Eingriffe an der Bauchwand. In dem Ordensspital werden zehn Prozent aller Blasenoperationen in Wien erledigt. Das St.-Josef-Krankenhaus war übrigens das erste in Österreich, dass wegen Babys, die in Einzelfällen unter dramatischen Umständen von ihren Eltern weggelegt wurden, die anonyme Geburt ermöglicht hat. (aw, DER STANDARD Printausgabe 2.4.2004)

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