Gruner + Jahr plant bis zu 20 neue Zeitschriften

20. April 2004, 20:27
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Verlagschef Kundrun: "Sind bereit, mehr als 50 Millionen Euro zu investieren"

Der Hamburger Großverlag Gruner & Jahr will im laufenden Jahr mit bis zu 20 neuen Titeln weltweit die Konkurrenz angreifen. "Wir sind bereit, eine Größenordnung von mehr als 50 Millionen Euro in neue Titel zu investieren", sagte Verlagschef Bernd Kundrun bei der Vorstellung der Bilanz am Donnerstag in Hamburg. Der Verlag will auch neue Länder erschließen, etwa in Asien oder Südosteuropa.

Weniger Umsatz

Die Hamburger Bertelsmann-Tochter musste 2003 wegen Beteiligungsverkäufen (Berliner Verlag) und des schwachen Dollars erneut einen Umsatzeinbruch von rund 320 Millionen Euro auf 2,48 Milliarden Euro hinnehmen, wie Kundrun mitteilte. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) stieg mit 238 Mio. Euro trotz Umsatzrückgang leicht an. Der Jahresüberschuss fiel von 126 auf 93 Mio. Euro. Die inländischen Mitarbeiter bekommen zum zweiten Mal keine Erfolgsbeteiligung.

Risiken

Verlagschef Kundrun geht davon aus, das in der Wirtschafts- und Medienkrise das Schlimmste überstanden ist: "Wir sind verhalten optimistisch, was das Werbeumfeld angeht", sagte er. Im laufenden Jahr soll der Umsatz wieder steigen. Es gehe aber nicht um Gewinnsteigerung um jeden Preis. Stattdessen setzt der Konzern laut Kundrun in Innovationen auf allen Feldern. Allein in Deutschland würden zur Zeit 20 neue Zeitschriften entwickelt, die aber nicht alle auf den Markt kommen würden. "Wir sind bereit, wieder Risiken einzugehen", sagte Kundrun.

Erfolgreichster neuer Titel: "Tele 2 Semaines"

Im abgelaufenen Jahr habe Gruner + Jahr mit vielen neuen Blättern schon die Grundlage für Wachstum gelegt, sagte der Vorstandsvorsitzende. Er erinnerte an Neugründungen wie dem Jugendmagazin "Neon", dem "Stern"-Ableger "Gesund leben", der Einführung von "Glamour" in Polen und des Wissensmagazins "Quest" in den Niederlanden. Erfolgreichster neuer Titel sei aber "Tele 2 Semaines" in Frankreich gewesen, womit der Verlag die Marktführerschaft bei den Programmzeitschriften übernommen habe. Am nächsten Montag will Gruner + Jahr in Frankreich mit einer weiteren Fernsehzeitschrift nachlegen. Aber auch die alten Titel hätten sich gut gemacht: Der "Stern" habe an Auflage gewonnen wie auch "Gala", "Frau im Spiegel" und "Living at Home".

Keine genauen Angaben machte Kundrun zu den anhaltenden Gesprächen über eine engere Zusammenarbeit der Druckereien von Gruner + Jahr, Axel Springer und der Bertelsmann-Tochter Arvato. Fragen danach, ob die Gruner + Jahr-Minderheitsgesellschafter der Familie Jahr einen Zusammenschluss verhinderten, ließ er ohne konkrete Antwort. Gruner + Jahr ist ursprünglich aus dem Zusammenschluss eines Verlegers (Jahr) mit einem Druckunternehmer (Gruner) entstanden.(APA)

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