"Schande über die Familie gebracht"

22. April 2004, 20:27
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Frauenleiche im Zillertal: Minderjähriger wollte mit Mord an seiner Schwester Familienehre wiederherstellen

Innsbruck - Der Mord an der 20-Jährigen, aus dem Libanon stammenden Layal M. im Tiroler Zillertal dürfte geklärt sein. Ein erst 17-jähriger Bruder der jungen Frau gestand die Bluttat. Als Tatmotiv gab er an, dass die junge Frau Schande über die Familie gebracht habe, erklärte Oberst Erwin Mayerl, Chef der Kriminalabteilung der Gendarmerie, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

"Familienehre wiederherstellen"

Die Familie sei der Meinung gewesen, dass die junge Frau mehrere "Männerbekanntschaften" gehabt habe. Mit dem Mord in der Nacht von Sonntag auf Montag habe der Bruder die Familienehre wieder herstellen wollen. In Kürze hätte die Frau mit einem in Deutschland lebenden Asylwerber Verlobung gefeiert. Mit dieser Verbindung seien die Eltern angeblich einverstanden gewesen.

Rekonstruierter Tathergang

Im Zuge der Ermittlungen konnte die Zeit vor der Bluttat rekonstruiert werden. Die 20-Jährige hatte von Samstag bis Sonntag bei einem bekannten Ehepaar übernachtet. Die Nacht zuvor hatte sie im Polizeianhaltezentrum in Innsbruck verbracht. Die Frau hatte dort Anzeige erstattet, weil sie angeblich genötigt worden war. Von wem diese Nötigungen ausgegangen seien, müsse noch genau untersucht werden, hieß es.

Am Sonntag gegen 23.30 Uhr kamen die Eltern und der Bruder dann zu der Wohnung der Bekannten. Sie überredeten Layal M., mit ihnen nach Hause zu kommen, sagte Mayerl. Etwas mehr als zwei Stunden später dürfte die junge Frau bereits tot gewesen sein.

Der 17-jährige Bruder sagte aus, die junge Frau in der Wohnung der Familie in Innsbruck bewusstlos geschlagen zu haben. Die Eltern und ein weiterer in der Wohnung anwesender Bruder hätten davon angeblich nichts mitbekommen. Der Beschäftigungslose habe seine Schwester zu einem geliehenen Auto getragen und sei dann nach Strass im Zillertal gefahren. Auf einem Waldweg nahe der Rotholzer Landesstraße L218 (Bezirk Schwaz) habe er die junge Frau zunächst erwürgen wollen. Dies habe ihm aber zu lange gedauert, worauf er 14 Mal auf sie einstach. Die Tatwaffe warf er in den Inn. Montag früh wurde die Leiche der Ermordeten dann von einem Jogger entdeckt.

Eltern und Bruder festgenommen

Bei seinem Geständnis habe der 17-Jährige "eigentlich keine Reue" gezeigt, erklärten die Ermittler. Der mutmaßliche Täter habe ausgesagt, dass seine Schwester während des gesamten Transports von Innsbruck nach Strass bewusstlos gewesen sei. "Dies bezweifeln wir aber", sagte Mayerl. Ein Gerichtsmediziner müsse diesen Punkt noch klären. Die Eltern und ein weiterer Bruder der Ermordeten seien ebenfalls festgenommen worden. Ob sie frei gelassen werden, entscheide sich wahrscheinlich bis Freitag. Unklarheiten gäbe es auch noch bezüglich des tatsächlichen Alters der Ermordeten (19 oder 20 Jahre) und darüber, ob sie staatenlos oder libanesische Staatsbürgerin sei. (APA)

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