SPÖ ärgert sich über "Schmutzkübel"

2. April 2004, 13:51
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Der Präsidentschaftswahlkampf wird härter - Fischer verweigert sich Haider

Wien - Der Präsidentschaftswahlkampf gewinnt immer mehr an Härte. Am Donnerstag lieferten sich die beiden Klubobmänner von ÖVP und SPÖ ein Match. VP-Klubchef Wilhelm Molterer eröffnete mit historisch aufmunitionierten Verbalattacken.

Im Zentrum standen dabei die vermeintlichen Fehlleistungen des SPÖ-Kandidaten Heinz Fischer der vergangenen Jahre. "Fischer sei in wichtigen Situationen des Öfteren auf der falschen Seite der Geschichte" gestanden, startete er seinen Angriff.

Sündenregister

Das Sündenregister des SP-Kandidaten inkludiere sein Verhalten während der Sanktionen, seine Funktion als Vizepräsident der österreichisch-nordkoreanischen Gesellschaft, seine Kontakte zu kommunistischen Staatschefs vor dem Jahr 1989 und seine angeblich zweifelhafte Haltung zur deutschen Wiedervereinigung, listete er auf. Und führt Fischers Weigerung, die Kroatien- und Slowenienpolitik von Ex-ÖVP-Außenminister Alois Mock Anfang der Neunzigerjahre zu unterstützen, an. Die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner sei hingegen immer auf der "richtigen" Seite gestanden, so Molterer. Sein Fazit: "Wenn man die außenpolitische Kompetenz Heinz Fischers näher betrachtet, dann kommen große Zweifel auf."

Cap schlägt zurück

Molterers SP-Pendant, Josef Cap, holte nur wenig später zum Gegenschlag aus. Es werde der ÖVP nicht gelingen, "den guten Ruf Heinz Fischers zu zerstören, weder national noch international", sagte Cap. In ihrer Schmutzkübelkampagne gegen Fischer scheue die Volkspartei nicht vor den absurdesten Vorwürfen zurück, um "einerseits die Schwächen ihrer Kandidatin zu verschleiern und andererseits die Fehler der Regierung zuzudecken".

Bundesländer-Tour

SP-Präsidentschaftskandidat Fischer hat indes mit einem Brief auf die Einladung von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider reagiert. Im Gegensatz zu Ferrero-Waldner, die "sehr gerne" kommen wird, lehnt Fischer dies ab. Er habe "schon vor vielen Wochen den Entschluss gefasst hat, alle neun österreichischen Bundesländer zu besuchen und daher selbstverständlich auch mehrmals Kärnten", teilt er Haider mit. Über ein persönliches Treffen mit dem Landeshauptmann verliert Fischer in dem Schreiben kein Wort. Er wolle sich "der Kärntner Bevölkerung vorstellen". (pm, to/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.4.2004)

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