Kommentar: Nur Flickwerk

6. April 2004, 19:45
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Nun liegt der lang ersehnte Bericht über die beiden Forschungsfonds FWF und FFF endlich vor - von Luise Ungerboeck

Nun liegt der lang ersehnte Bericht über die beiden Forschungsfonds FWF und FFF endlich vor. Die Fondsprüfer - Experten aus vier europäischen Ländern - haben ganze Arbeit geleistet und die beiden Eckpfeiler der Forschungsförderung genauestens abgeklopft. Die Diagnose ist erfreulich und ernüchternd. Beiden Institutionen wird exzellente Arbeit und effizienter Umgang mit Steuergeldern attestiert.

Aber: Die Schuhe, in denen die 1967 geborenen Forschungsförderer stecken, sind nicht mehr groß genug, sie haben Löcher. Auch der Leisten passt nicht mehr für die Anforderungen, die Universitäten und Wirtschaft stellen. Bekommen die beiden Fonds nicht bald neue Schuhe, meinen die Untersucher, würden die Zehen krumm. Beides kann sich niemand wünschen, denn für Österreichs wirtschaftliche Prosperität wird Forschung und Entwicklung unersetzlich.

Also machten sich Infrastrukturminister Hubert Gorbach und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein daran, die zersplitterte und unter Geldnöten leidende Forschungsförderlandschaft umzubauen. Aus vielen Kinderschuhen sollte ein fester Schuh werden, mit dem große Sprünge gemacht werden können.

Herausgekommen ist, das zeichnet sich bereits ab, leider ein Schuhwerk, das Pantoffel und Skischuh zugleich ist. Niemand wird damit weit gehen können, weil es in der Bürokratie verheddert ist: Aus dem FFF und drei anderen Einrichtungen entsteht eine Großforschungsagentur, die unter politischer Kuratel steht. Das Geld kommt aus einer Stiftung, die unterdotiert ist. Verteilen soll das zu Wenige der Forschungsrat, der eigentlich die Leitlinien der österreichischen Forschung vorgeben sollte. Über all dem wachen beamtete Aufsichtsräte, die nur das Durchgriffsrecht der Politiker sicher stellen werden. (Der Standard, Printausgabe, 02.04.2004)

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