EU-Projekt zur Kommerzialisierung der Quantenkryptographie

9. April 2004, 19:09
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Uni Wien und ARC mit 39 Partnern

Wien - Seit Jahren schwärmen vor allem Grundlagenwissenschafter von der Möglichkeit, mittels Quanteneffekten abhörsichere Nachrichtenübertragung zu ermöglichen. In einem mit 11,4 Millionen Euro dotierten EU-Projekt wollen jetzt Wissenschafter um Anton Zeilinger vom Institut für Experimentalphysik der Uni Wien und des Austrian Research Centers (ARC) gemeinsam mit 39 Partnern aus insgesamt zwölf Ländern die so genannte Quantenkryptographie marktreif machen. Koordiniert wird das Projekt von der Arbeitsgruppe Quantentechnologien der ARC.

"Die Sicherheit der Quantenkryptographie beruht auf Naturgesetzen und nicht auf schwer lösbaren mathematischen Problemen, wie bei heute eingesetzten Methoden", heißt es dazu in einer Aussendung der ARC. Zeilinger gilt als Experte für so genannte verschränkte Photonen. Dabei werden zwei Lichtteilchen, die an einem Ort erzeugt werden, in verschiedene Richtungen geschickt. Durch das Quantenphänomen der Verschränkung bleiben diese Teilchen stets mit einander verbunden, wie weit sie sich auch von einander entfernen.

Vorteil der Entdeckung

Das für die Kryptographie interessante Detail ist, dass eine Beobachtung eines der Teilchen sofort Auswirkungen auf das verschränkte Gegenstück hat. Setzt man verschränkte Photonen etwa zur Übermittlung von Verschlüsselungscodes ein, so würde jeder Abhörversuch entdeckt. Egal wo man in das System eingreift, um sich den Code unerlaubt anzueignen, die Sache fliegt sofort auf. Als Code dient etwa die Polarisation - die Schwingungsebene - der Lichtteilchen.

Da eine Messung der Polarisation des einen Teilchens augenblicklich auch den Zustand des anderen festlegt, kann der Code völlig zufällig sein. Er braucht keinen mathematischen Gesetzmäßigkeiten zu folgen, was wiederum ein Abhören unmöglich macht.

Im EU-Projekt "SECOQC" - für Development of a Global Network for Secure Communication bases on Quantum Cryptography" geht es sowohl um die Weiterentwicklung der Grundlagenforschung zu diesem Thema wie auch um die wirtschaftliche Verwertung. (APA)

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