Bush trotz Falluja zuversichtlich

2. April 2004, 16:57
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US-Präsident nach grausigen Anschlägen auf US-Zivilisten unter Druck - Manche Kritiker fühlen sich an den Vietnamkrieg erinnert

Direkt hat sich US-Präsident George W. Bush am Mittwochabend zu den neuerlichen blutigen Attacken auf amerikanische Zivilisten und Soldaten im Irak nicht geäußert, doch seine Rechtfertigung für die Beseitigung von Saddam Hussein brachte er während einer Wahlveranstaltung in Washington erneut vor: "Die Welt ist freier und Amerika sicherer geworden." Zwar müsse die USA noch immer dem Umstand ins Auge sehen, dass es im Irak "Schläger und Terroristen" gebe. Amerika werde sich jedoch niemals einschüchtern lassen.

Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, kündigte am Donnerstag nach der Ermordung von vier US-Zivilisten und fünf Soldaten am Vortag an, die Amerikaner seien "nicht umsonst gestorben". Der Überfall sei unentschuldbar und schändlich gewesen, aber derartige Zwischenfälle würden "den Übergang zu Stabilität und Demokratie im Irak nicht aufhalten".

Bremer kündigte des Weiteren ein hartes Durchgreifen an: Solche Attacken würden nicht ungesühnt bleiben. Auch der Pressesprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, bezeichnete die Attacken als "abscheulich und verachtenswert". Der beste Weg, jene zu ehren, die ihr Leben gelassen haben, sei es aber, die Bemühungen um einen demokratischen Irak fortzuführen. McClellan forderte die US-Medien auf, sich in ihrer Berichterstattung "verantwortungsvoll" zu verhalten.

Blutige Erinnerung

McClellans Befürchtung, dass im Fernsehen ausgestrahlte Bilder, die zeigen, wie Leichen verstümmelt und geschändet werden, in der Bevölkerung Erinnerungen an die blutigen Ereignisse in Somalia vor mehr als elf Jahren hervorrufen könnten, ist berechtigt. Der damalige Präsident Bill Clinton musste die amerikanischen Truppen aus Somalia abziehen, nachdem die Leichen von US-Soldaten öffentlich durch die Straßen von Mogadischu geschleift worden waren.

Der ehemalige Marinegeneral Anthony Zinni, ein Kritiker des Irakkrieges, befürchtet, das Ausmaß der Gewalt könne zusätzlich die Konsequenz haben, dass potenzielle internationale Partner beim Wiederaufbau des Irak abgeschreckt werden: "Wir werden in dieser Sache immer mehr auf uns selbst gestellt sein."

Der ehemalige Vizeverteidigungsminister unter Ronald Reagan, Lawrence Korb, wies auf Parallelen zur Vergangenheit hin und fand, die Regierung Bush mache mit ihren ständigen Hinweisen auf Fortschritte im Irak einen großen Fehler: "Es ist erschreckend, wie sehr mich das an den Vietnamkrieg erinnert. Jedes Mal, wenn damals gesagt wurde, es gebe nun endlich einmal ein Licht am Ende des Tunnels, ist wieder irgendetwas Schreckliches geschehen." (DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2004)

Von Susi Schneider aus New York
  • Tausende Schiiten protestieren in Bagdad gegen US-Verwalter Bremer, der eine Zeitung wegen angeblicher Anstachelung zur Gewalt schließen ließ.
    foto: epa/ali abbas

    Tausende Schiiten protestieren in Bagdad gegen US-Verwalter Bremer, der eine Zeitung wegen angeblicher Anstachelung zur Gewalt schließen ließ.

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