Krankl, die Kritiker und der Geist des Herrn Karl

22. April 2004, 14:14
26 Postings

Das 1:1 Österreichs gegen die Slowakei hinterließ zwiespältige Eindrücke - Teamchef Krankl blieb im Prinzip bei seiner Zufriedenheit

Wien - Natürlich ist Hans Krankl in Bratislava gewesen. Er hat das Match gegen die Slowakei von der Seitenlinie aus verfolgt, schließlich wird er dafür bezahlt. Am Tag nach dem 1:1 - der Teamchef hatte bereits einige Szenen im Fernsehen studiert - relativierte er seine unmittelbar nach dem Schlusspfiff geäußerte Zufriedenheit ein wenig. Prinzipiell blieb er aber dabei: "Ich habe Positives rauszustreichen. Die Einstellung war gut, der späte Ausgleich verdient, alle haben an sich geglaubt. Die Spieler stehen unter meinem Schutz. Natürlich gibt es viel zu verbessern. Vor allem spielerisch." Einige - nicht alle - Patzer seien "auf den kriminellen Zustand" des Platzes zurückzuführen gewesen. "Die Blunzen hat sich oft versprungen." Krankl gestand aber ein, dass "meine Sichtweise eine andere ist als die der Journalisten. Kritiker sollen und müssen das Negative rausstreichen."

In einem Boot

Also meint/streicht der Kritiker: schwaches Stück, gewagte Inszenierung. Man hätte die Zeit sinnvoller totschlagen können: zum Beispiel ein Buch lesen (irgendeines), mit dem Kind einen Osterhasen basteln (aus Pappmaché), schlafen (im Bett) oder nachdenken (im Wirtshaus). Aber der Kritiker musste Slowakei gegen Österreich im Slovan-Stadion schauen - dafür wird wiederum er entlohnt. Gering, aber man kommt halbwegs durch. Insofern sitzen Krankl und Kritiker in einem Boot.

Die versteckte Katastrophe

Der Teamchef sagte, was aus seiner Sicht verständlich ist: "Kollmanns Ausgleich in der Nachspielzeit war wichtig fürs Selbstvertrauen." Dem könnte man entgegnen: Vielleicht war Kollmanns Ausgleich pädagogisch gesehen eine mittlere Katastrophe, weil er das Wesentliche zugedeckt hat. Ob der slowakische Tormann den gewiss strammen, aber nicht extrem platzierten Schuss abwehren hätte müssen, beantwortete Krankl so: "Eine tolle Aktion und ein Hammer. Wenn manche meinen, es war fast ein Eiertor, kommt wieder das typisch Österreichische - das Selbstzerstörerische, die Herr-Karl-Mentalität - durch."

Äpfel und Birnen

Vor zwei Jahren hatte Österreich die Slowaken in Graz 2:0 besiegt. Krankl wollte einen Vergleich nicht zulassen - das wäre für ihn die Vermischung von Äpfeln und Birnen gewesen. "Eine Nationalmannschaft ist nie eine eingespielte Geschichte, man muss immer improvisieren." Er lobte Abwehrchef Martin Stranzl und Rene Aufhauser ("vorbildliche Entwicklung"). Die mäßige Leistung von Kapitän Andreas Ivanschitz irritierte ihn nicht: "Ich weiß, dass er seiner Form nachläuft. Da muss er durch." Ivanschitz verkörpere trotzdem die neue Generation. "Weil er sich gut ausdrückt und ausschaut wie der ideale Schwiegersohn, ist er noch lange kein Ministrant. Er wirkt nur wie der Kai Pflaume von Österreich." Ivanschitz werde die Binde weiter tragen. "Auf dem Feld gibt es viele Kapitäne: Stranzl, Schopp, Ehmann, Aufhauser und andere."

Offensiv gegen Luxemburg

Der nächste Test passiert am 28. April in Innsbruck, Gegner ist Luxemburg, das nicht zu den Erfindern des Fußballs zählt. Krankl: "Wir werden stürmen, wollen siegen." Der Kritiker freut sich. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 2. April 2004, Christian Hackl)

Link

ÖFB

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auch wenn Hans Krankl im Großen und Ganzen mit den in Bratislava gezeigten Leistungen zufrieden ist, so gibt es doch noch allerhand zu tun.

Share if you care.