Kampf den Drogen

1. April 2004, 17:58
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Die Drogenbekämpfung muss als Teil des Hilfskonzepts für Afghanistan begriffen werden - Von Alexandra Föderl-Schmid

Afghanistans Präsident Hamid Karsai kann zufrieden sein. Er hat auf der Afghanistan-Konferenz in Berlin nicht nur weitere Hilfszusagen in Milliardenhöhe bekommen, sondern die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf ein Thema gelenkt, mit dem sich auch die auf der Konferenz vertretenen Staaten nicht gerne beschäftigen: die Drogenproblematik. Derzeit kommen rund 75 Prozent des weltweiten Opiumangebots aus Afghanistan. Im Vorjahr ist der Anbau von Schlafmohn um acht Prozent gestiegen, heuer wächst eine Rekordernte heran.

Die internationale Staatengemeinschaft hat bisher vor diesem Problem die Augen verschlossen. Soldaten der UN-Schutztruppe Isaf haben dem Treiben zugesehen und sich lieber nicht die Finger schmutzig gemacht. Aber die Lösung dieser Frage ist zentral für die Zukunft des Landes. Solange sich in der Provinz "Warlords", die die Autorität der Regierung in Kabul nicht anerkennen, über den Drogenhandel finanzieren können, ist eine Stabilisierung Afghanistans nicht möglich.

Dass in Berlin Afghanistan einen Antidrogenpakt mit seinen Nachbarn abgeschlossen hat, ist löblich. Aber der Vertrag ist das Papier nicht wert, wenn nicht die Umsetzung gesichert werden kann. Dazu sind auch ausländische Soldaten nötig, denn weder die Sicherheitskräfte der Nachbarländer noch die im Aufbau befindliche afghanische Drogenpolizei sind dazu fähig.

Aber mit militärischem Einsatz allein kann das Problem nicht gelöst werden, es muss vielmehr an der Wurzel gepackt werden. Solange für Schlafmohn der 44fache Preis wie für die gleiche Menge Weizen gezahlt wird, muss den Landwirten vor Ort auch eine finanzielle Ausgleichszahlung angeboten werden. Außerdem muss ihnen eine Alternative gezeigt werden, wie etwa die Möglichkeit, Safran anzubauen. Die Drogenbekämpfung muss als Teil des Hilfskonzepts für Afghanistan begriffen werden. Notwendig ist aber auch ein langer Atem der Helfer. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2004)

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