Raucherpassion

12. April 2004, 13:32
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Schon in der Kindheit beginnt ihr Elend. In den Gebüschen müssen sie sich verstecken, um es zu tun. Daheim heißt es gnadenlos: "Hauch mich einmal an!". Dann graben die antiautoritärsten Eltern die Ohrfeige aus.

Bekennen sie sich mit 18 endlich dazu, zerbrechen die Mütter an der Schande. Junges Leben gilt als verpfuscht. Taschengeldexistenzen gehen daran zugrunde. Die schönsten Jeans werden brandgelöchert. Und in der Früh dann immer dieser scheußliche Husten und der ewige Streusplitt in der Kehle.

Sex wird davor zur Nebensache, Essen danach macht keinen Spaß. Andauernd die Gruselgeschichten von verkohlten Beinen, zersetzten Lungen, vergilbten Fingern, zerfurchten Gesichtern. (Führt unweigerlich zu Magengeschwüren.) Stets dem Psychoterror der schadenfrohen Passivschnorrer ausgesetzt, immer der schale Geschmack des Verbrechertums in der Luft. Lüften, lüften - ständig werden um sie herum Fenster aufgerissen. Kein Wunder, dass sie so oft verkühlt sind und kränkeln.

Und jetzt also die öffentliche Ächtung. Raus aus den Büros, den Cafés, den Bars! Dublin schikaniert sie. Bozen quält sie. Zürich wird sie bald vierteilen. - Raucher sind arme Schweine.
(DER STANDARD, Printausgabe vom 5.4.2004)

Von
Daniel Glattauer
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