Schickt Schumacher die Konkurrenz wieder in die Wüste?

4. April 2004, 15:08
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Sechsfach-Champ auch bei drittem Saison-Grand-Prix Topfavorit - Rosenwasser statt Champagner bei Siegerehrung

Sakhir/Bahrain - Der Formel-1-Zirkus feiert ab Freitag seine Premiere in der Wüste. Mit dem Grand Prix von Bahrain findet am Sonntag (13:30 Uhr MESZ/live ORF1) erstmals in der 55-jährigen Geschichte ein Renn-Wochenende im Mittleren Osten statt. Ein Augenschein auf dem 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Manama gelegenen Rundkurs bestätigt, dass Bahrain für das Abenteuer Formel 1 gerüstet ist.

Da und dort wurde zwar in den vergangenen Tagen noch gepinselt, wurden Bäume und Sträucher entlang der Zufahrtsstrasse gepflanzt oder die letzten Hinweisschilder befestigt. Doch darüber sieht beim Anblick der prächtigen, hochmodernen Anlage, die in 16 Monaten in Sakhir aus dem Sand gestampft wurde, jeder Besucher großzügig hinweg.

Bahrain unter Zeitdruck

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Michael Schumacher und Co. am Freitag im freien Training die ersten Runden auf dem Bahrain International Circuit drehen können. Denn noch Anfang März sollen die unter Zeitdruck geratenen Bahraini mit der Bitte an Bernie Ecclestone herangetreten sein, das Rennen um ein Jahr zu verschieben. In der vergangenen Woche waren noch einmal düstere Wolken aufgezogen, als das israelische Attentat auf Hamas-Führer Ahmed Yassin erhöhte Terrorgefahr für die arabischen Länder herauf beschwor.

Bahrain hat auf die angespannte politische Lage reagiert und die Vorkehrungen im Land unter Einbezug von Militär und Polizei verschärft, um die Sicherheit rund um den Grand Prix gewährleisten zu können. Die königliche Familie investierte in den Neubau der Strecke rund 150 Millionen Dollar (122,7 Mill. Euro). Den gleichen Betrag ließen Scheich Hamad bin Isa Al Khalifa und sein Gefolge springen, um die Infrastruktur der Anlage auf Vordermann zu bringen.

Grundabstimmung am Simulator

Mit Ausnahme von Jenson Button und Ralf Schumacher hatten die Fahrer den Bahrain International Circuit zuvor noch nicht zu Gesicht bekommen. Dank Simulationen am Computer, welche die Grundabstimmung der Autos erlauben, reisten gleichwohl auch die übrigen acht Teams nicht unvorbereitet ins Emirat.

In die Planung konnten auch die äußeren Bedingungen einbezogen werden. Zwei Wochen nach dem Grand Prix von Malaysia wird eine neuerliche Hitzeschlacht erwartet. In Bahrain werden zur Zeit Temperaturen um die 30 Grad gemessen. Hinzu kommt der Sand, der ständig auf die Strecke geweht wird. Zumindest abseits der Ideallinie wird daher der Grip zu wünschen übrig lassen. Im wahrsten Sinn des Wortes ist auch mit "Sand im Getriebe" zu rechnen, was aber auf die Zuverlässigkeit der Autos keinen Einfluss haben soll.

Schumacher gelassen

Michael Schumacher will dem Umstand, eine neue Strecke kennen lernen zu müssen, nicht überbewerten. "Es gibt viele Faktoren, die ein Setup beeinflussen. Deshalb ist es nur unwesentlich schwieriger, auf einer neuen Strecke zu fahren." Der Weltmeister scheint mit der Angewöhnung keine Probleme zu haben. In Malaysia, als 1999 letztmals eine neue Destination in den Formel-1-Kalender aufgenommen wurde, fuhr er die Konkurrenz bei seinem Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause vom ersten Training an in Grund und Boden.

Den Abstecher nach Bahrain geht der Ferrari-Star gelassen an, nach zwei Rennen steht er mit dem Punktemaximum da. Mit dem Sieg in Malaysia hat er zudem gezeigt, dass Ferraris Reifenpartner Bridgestone auch für hohe Temperaturen kompetitive Pneus zu liefern vermag. Es ist also gut möglich, dass der Titelverteidiger seine Konkurrenten wieder einmal "in die Wüste schicken" kann. Der Vorarlberger Christian Klien auf Jaguar hat sich für seinen dritten Grand Prix den erstmaligen Vorstoß in die Punkteränge vorgenommen.

Rosenwasser statt Champagner

Aus religiösen Gründen wird übrigens in dem islamisch geprägten Land auf Champagner verzichtet, statt dessen wird bei der Siegerehrung mit einem alkoholfreien Getränk gespritzt. Der kohlensäurehaltige Siegersaft heißt Warrd, was übersetzt Rose heißt. Er besteht u.a. aus Früchten der Region, Granatäpfel und Rosenwasser. Auch die so genannten Grid girls, die bei der Startaufstellung die Schilder mit den Namen und die Landesflagge der Fahrer halten, sind diesmal wesentlich züchtiger gekleidet als sonst üblich. (APA/SIZ/dpa)

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    Michael Schumacher beim Small Talk mit dem Bahrain-Strecken-Vorsitzenden Shaik Fawaz Bin Mohammed Al Khalifa.

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