Siemens prüft Verlagerung von rund 2.500 Arbeitsplätzen

8. April 2004, 08:56
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Mobilfunk-, Festnetzsparte und Energieübertragung von Streichungsplänen betroffen

Der Elektro-Konzern Siemens prüft die Verlagerung von rund 2.500 Arbeitsplätzen ins Ausland. In sieben von 14 Unternehmensbereichen seien Einsparungen und Umstrukturierungen geplant, teilte das Unternehmen am Donnerstag in München mit. Entsprechende Vorschläge seien Belegschaftsvertretern am Vortag vorgestellt worden.

Bis zu 10.000 Stellen betroffen

Konkrete Pläne für die Verlagerung von Stellen bestünden für die Mobilfunksparte ICM, für die Festnetz-Sparte ICN und für die Energieübertragung (PTD). Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet weiterhin, dass im Gesamtkonzern bis zu 10.000 Stellen betroffen sein könnten.

Alternativstandort in Ungarn

In der Mobilfunksparte gehe es in erster Linie um die Fertigung von Mobiltelefonen und schnurlosen Telefonen in Kamp-Lintfort und Bocholt mit rund 2.000 Beschäftigten, hieß es. "Hier gilt es, gegenüber einem Alternativstandort in Ungarn bei den Arbeitskosten eine Lücke von bis zu 30 Prozent zu schließen." Dies sei durch längere und flexiblere Arbeitszeiten sowie andere Kosten senkende Maßnahmen realisierbar.

Weitere Verlagerungen stünden bei Teilaktivitäten von ICN im Werk von Bruchsal sowie im Transformatoren-Werk Kirchheim/Teck des Bereichs Energieübertragung an. Diese Aktivitäten kommen zusammen auf rund 500 Beschäftigte.

Nachhaltig

Oberstes Ziel bleibe es, Verlagerungen durch nachhaltige Kostensenkungen abzuwenden, betonte ein Siemens-Sprecher. Im Bereich Automation and Drives solle die Fertigung von Flachbaugruppen von bisher sieben auf drei Standorte in Deutschland konzentriert werden. "Hintergrund ist eine effizientere Nutzung der kapitalintensiven Ausstattung", erklärte das Unternehmen. Zudem sollten bestimmte Bereiche der Vorfertigung zusammengelegt werden. Nach Einschätzung des Unternehmens könnten diese Umstrukturierungen beschäftigungsneutral ablaufen.

"Standort unter Druck

Bei den Gesprächen mit Belegschaftsvertretern sei auch über Anpassungen von Fertigungskapazitäten sowie über die Nutzung von Kostenvorteilen bei der Software-Entwicklung in Niedriglohnländern diskutiert worden. Dies betreffe die Bereiche ICN, PTD und Transportation Systems (TS). Das Werk von ICN in Bruchsal leide unter dem Technologiewandel von Hardware zu Software. Handlungsbedarf bestehe zudem im Nürnberger Werk von PTD. "Der Standort ist wegen des sinkenden Auftragseingangs, eines enormen Preisverfalls sowie wegen der nicht wettbewerbsfähigen Kostenstruktur unter Druck", hieß es in der Mitteilung.

Furcht

Die IG Metall befürchtet unterdessen weiterhin eine Verlagerung oder Streichung von bis zu 10.000 Stellen im Gesamtkonzern. Es sei davon auszugehen, dass Siemens schrittweise entsprechende Maßnahmen zunächst für die Produktion und anschließend auch für den Dienstleistungsbereich ankündigen werde, verlautete aus Gewerkschaftskreisen. Am Nachmittag wollte die IG Metall ihre Sicht der Einsparpläne bei einer Pressekonferenz in München vorstellen. (APA)

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