Das Ende von zwei Erfolgsserien

22. April 2004, 14:14
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"Equipe Tricolore" verpasste 15. Sieg in Folge und damit Weltrekord - Tschechien nach 20 Partien erstmals besiegt - Deutschland machte einen kleinen Schritt vorwärts

Wien - Frankreich vergab den alleinigen Weltrekord und Tschechien büßte seinen Unbesiegbarkeits-Nimbus ein. 72 Tage vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Portugal taten sich die Favoriten überwiegend schwer. Den Niederlanden gelang mit 0:0 gegen Titelverteidiger Frankreich immerhin ein Achtungserfolg: Die "Equipe Tricolore" verpasste in Rotterdam den 15. Erfolg in Serie und muss sich die Siegesserien-Bestmarke weiter mit Australien und Brasilien teilen. Tschechien (1:2 in Irland) bezog nach 20 Spielen die erste Niederlage seit dem 14. November 2001. Dagegen ist Griechenland unter Otto Rehhagel nach dem 1:0 gegen die Schweiz nun schon seit 15 Länderspielen unbesiegt.

Begrenzte Begeisterung im "De Kuip"

Die Franzosen mussten in einer nur selten hochklassigen Partie gegen die Oranjes Stars wie Zidane, Pires oder Wiltord vorgeben, Arsenal-Goalgetter Henry kam erst in der zweiten Hälfte. Trotzdem war die Elf von Santini nicht ernsthaft in Gefahr, die erste Niederlage seit dem 0:2 im Februar 2003 in Paris gegen Tschechien zu kassieren. "Wir haben gut verteidigt", meinte Santini, dessen Elf schon seit 769 Minuten kein Gegentor zugelassen hat. Die Advocaat-Truppe blieb zwar zum 24. Mal en suite in Freundschaftsspielen ungeschlagen, doch die Begeisterung im "De Kuip" hielt sich in Grenzen. Am Ende mussten sich die Oranjes sogar Pfiffe von unzufriedenen Fans gefallen lassen.

Tschechen schwer enttäuscht

Ein Tor von Robbie Keane in der 92. Minute besiegelte die erste Pleite der Tschechen seit 28 Monaten, was Teamchef Brückner schmerzte. "Besser jetzt verlieren als bei der EM? Auf solche Sprüche gebe ich nicht viel. Wir sind alle sehr enttäuscht", klagte der Coach, der GAK-Legionär Sionko bis zur 46. Minute eingesetzt hatte.

Völler: "Ordentliche Leistung"

Deutschland durfte sich nach dem 3:0-Heimsieg über Belgien (Austria-Legionär Dheedene spielte durch) über einen Formanstieg freuen. "Das war eine ordentliche Leistung. In der zweiten Hälfte haben wir auch einige herrliche Kombinationen gezeigt", resümierte DFB-Teamchef Völler. Als weitere positive Aspekte wertete Völler die "Wiedergeburt" des Torjägers Kuranyi. Nach 1.027 torlosen Minuten beim VfB Stuttgart und in der Nationalelf traf der Deutsch-Brasilianer wieder.

Ballack ohne Worte

ARD-Chefkritiker Günther Netzer sah die Leistung weit weniger positiv und sparte nicht mit Kritik an Michael Ballack: "Von einem Ballack muss man doch mehr erwarten, er sollte ein strahlender Mittelpunkt sein." Der Kritisierte verließ wortlos das Kölner Stadion, auch am Donnerstag wollte er in München keine Aussagen machen.

Portugal mit Sorgen - Figo: "Infantile Fehler"

Bei EM-Gastgeber Portugal macht sich hingegen nach dem 1:2 daheim gegen Italien Tristesse breit. Seit Brasiliens Weltmeister-Coach Scolari vor 13 Monaten das Traineramt übernahm, gewannen die Südwesteuropäer kein Spiel gegen einen EM-Teilnehmer. Miccoli erzielte übrigens das Siegestor aus einem direkt verwandelten Eckball. "Bei solch infantilen Fehlern darf man sich nicht wundern, wenn man verliert", schimpfte Kapitän Luis Figo. Italien bleibt ein Angstgegner der Portugiesen, deren letzter Sieg gegen die "Squadra Azzurra" bereits über 27 Jahre zurückliegt.

Englands Alptraum heißt Schweden

Noch länger muss England auf einen vollen Erfolg gegen Schweden warten. Durch das 0:1 in Göteborg ist Österreichs WM-Quali-Gegner gegen die Skandinavier seit 1968 oder elf Spielen sieglos. "In der ersten Hälfte haben wir gut gespielt, über die zweite Hälfte möchte ich nicht viel sagen", erklärte Englands schwedischer Teamchef Sven-Göran Eriksson. Unter ihm haben die Engländer seit 2001 zwar erst eine von 19 Bewerbspartien verloren, dafür setzte es die bereits fünfte Niederlage in einem Freundschaftsspiel. Allerdings fehlten in Göteborg Stars wie Beckham und Owen sowie die komplette Stammverteidigung.

Pleiten für Polen und Aserbaidschan

So wie England verloren mit Polen (sie haben mit dem 0:1 daheim gegen die USA ihren achten Länderspiel-Sieg in Folge und damit Landesrekord verpasst) und Aserbaidschan (1:2 in Moldawien) zwei weitere ÖFB-WM-Quali-Gegner. Dafür siegte Wales in Budapest 2:1 und verpatzte damit das Heimdebüt von Lothar Matthäus als ungarischer Teamchef. Grund zur Freude hatten die Nordiren, die die mit dem 1:0 in Estland die 15 Spiele währende sieglose Serie beendeten. Healy bescherte den Insel-Kickern den ersten vollen Erfolg seit dem 1:0 auf Malta in der WM-Qualifikation im Oktober 2001. Der Stürmer hatte schon beim 1:4 im Februar gegen Norwegen die Torsperre der Nordiren gebrochen, die davor 13 Spiele in Serie ohne Treffer geblieben waren.

Admira-Legionär Astafjew im Hunderter-Klub

Gleich ein doppeltes Erfolgserlebnis gab es für Witalij Astafjew: Der Admira-Legionär durfte sich vor dem Match in Slowenien zunächst über die Ehrung für sein 100. Länderspiel und danach über den 1:0-Sieg von EM-Starter Lettland freuen. Der Mittelfeldspieler, der bis zur 72. Minute im Einsatz war, schaffte als erster Lette überhaupt den Sprung in den "Hunderter-Klub".

Beim 2:2 von Kroatien gegen die Türkei in Zagreb spielte GAK-Verteidiger Tokic für die Hausherren ebenso durch wie der Austrianer Helstad für die Norweger bei deren 1:0-Erfolg in Belgrad gegen Serbien-Montenegro. (APA/dpa/Reuters)

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    Irlands Torschütze Robbie Keane (re) im Zweikampf mit Marek Jankulovski aus Tschechien.

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    Der Franzose Giuly auf dem Weg zu Zenden (re/Niederlande). Ausgeglichene Partie in Rotterdam. 0:0 nach 90 Minuten. Pfiffe vom verwöhnten Publikum.

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    Kein erfolgreicher Arbeitstag für Englands Teamchef Sven Goran Eriksson in seiner Heimat Schweden.

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