EU-Erweiterung hat Auswirkungen auf die Umwelt

6. April 2004, 09:52
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Wahre Naturschätze in Osteuropäischen Staaten: Allein im Buchen-Urwald der Karpaten leben mehr als 8.000 Bären, 4.000 Wölfe und 3.000 Luchse

Wien - Wenn die Europäische Union am 1. Mai um zehn auf 25 Länder erweitert wird, dann bringen vor allem die Osteuropäischen Staaten wahre Schätze ein - und zwar Naturschätze. Ob die Mitgliedschaft in der Union nun Segen oder Fluch für die Umwelt sein wird, darüber hat sich der World Wide Fund for Nature (WWF) den Kopf zerbrochen.

Buchen-Urwald der Karpaten

Vieles, was in den alten EU-Staaten längst verloren gegangen ist, hat in den neuen Beitrittsländern überlebt. Hier finden sich riesige Sumpfgebiete, unberührte Gebirgslandschaften und nahezu endlose Wälder. Allein im Buchen-Urwald der Karpaten leben mehr als 8.000 Bären, 4.000 Wölfe und 3.000 Luchse.

Größtes intaktes Sumpfgebiet Europas in Polen

Polen wiederum beherbergt das größte intakte Sumpfgebiet Europas: Moore, Feuchtwiesen und 1.600 Seen an dem nur 164 Kilometer langen Fluss Bierbrza. Rumänien hat das Donau-Delta mit der größten geschlossenen Schilffläche der Welt. Und Ungarn steuert die Puszta zum europäischen Naturerbe bei.

Herausforderung besteht im SChutz

Die Herausforderung besteht laut Claude Martin, Generaldirektor des WWF International darin, diesen Reichtum nicht zu verprassen, sondern ihn zu bewahren. Zudem habe das Zusammenwachsen Europas schon erste positive Auswirkungen entfaltet. Dies betrifft vor allem Umweltaltlasten früherer Regime. Die EU-Gesetze sind oft strenger als die alten Regeln. Zudem fließen große Investitionen in die Abwasser- und Müllentsorgung sowie in sauberere Technologien.

Neue Bedrohungen: Agrarpolitik

Die Ausdehnung der Union in Richtung Osten bringt - so der WWF-Generaldirektor - aber auch neue Bedrohungen. Etwa durch die gemeinsame Agrarpolitik. Mit fast 50 Milliarden Euro fließt jedes Jahr etwa die Hälfte des EU-Haushalts in die Landwirtschaft. Nun müsse mit einer Agrarreform Ernst gemacht werden, um das Geld sinnvoller einzusetzen. Eine Intensivierung der Landwirtschaft führe nämlich nicht zu blühenden Auen, sondern zu öden Agrarsteppen. Die regionale Entwicklung müsse gestärkt, die Vermarktung regionaler Produkte gefördert und den ländlichen Regionen eine Perspektive geboten werden.

Verkehrsprojekte contra Umweltschutz

Auch die Infrastrukturpolitik bereitet Naturschützern schlaflose Nächte. In den kommenden Jahren würden verstärkte Anstrengungen unternommen, ein transeuropäisches Verkehrswege-Netz aufzubauen. Hier könnte die Umwelt auf der Strecke zu bleiben, etwa beim geplanten Ausbau der Donau auf mehr als 1.000 Kilometern. Der Bau der Via Baltica - die geplante Trasse für die Autobahn von Warschau bis Helsinki führt mitten durch den Biebrza-Nationalpark - ist ein Albtraum für den WWF.(APA)

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    Polen ist berühmt für seinen Waldreichtum (im Bild: der Tatra Nationalpark steht unter Naturschutz)

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