Einbrecher schoss auf Polizisten: Keine Mordanklage

2. April 2004, 15:18
3 Postings

Wiener Drogenfahnder wurde nach Verfolgungsjagd bei der Festnahme mit abgelegter Beamtenwaffe angeschossen

Wien - Der Einbrecher, der vor knapp einem Jahr in Wien-Donaustadt auf zwei Polizisten geschossen hat, die ihn festnehmen wollten, muss sich am kommenden Dienstag im Wiener Landesgericht verantworten.

Ursprünglich war gegen den 27-Jährigen wegen versuchten Mordes ermittelt worden. Nach den Gutachten eines Schießsachverständigen und eines Gerichtsmediziners reichte es allerdings nur für eine Anklage wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Mann, dem Mafia-Verbindungen nachgesagt werden, bis zu zehn Jahre Haft.

Dem 35 Jahre alten Drogenfahnder Helmut H. waren am 15. April 2003 knapp vor 20.00 Uhr zwei Männer aufgefallen, die er für Einbrecher hielt. Er forderte Verstärkung an. Als eine Funkstreife eintraf, wollten die Polizisten die Verdächtigen kontrollieren. Diese ergriffen die Flucht. Nach Warnschüssen in die Luft gab einer auf und ließ sich widerstandslos festnehmen.

Dienstwaffe lag am Asphalt

Der andere setzte dagegen seine Flucht fort. Doch Helmut H. und ein Streifenpolizist holten ihn ein und überwältigten ihn. Als der Drogenfahnder dem am Boden knienden Mann die Hände auf den Rücken fesseln wollten, ergriff dieser plötzlich die Dienstwaffe des anderen Beamten, die dieser unvorsichtigerweise auf den Asphalt gelegt hatte.

Laut Anklage feuerte er aus einer Entfernung von knapp 30 Zentimeter mit der Pistole Marke Glock 17 Helmut H. oberhalb des Knies ins Bein. Der 35-Jährige wurde schwer verletzt, er musste mehrmals operiert werden. Auch in Richtung des Streifenpolizisten gab der Mann einen Schuss ab, der dem beamten die Fingerkuppe wegriss.

Bei weiterer Verfolgung wurde Tunesier angeschossen

Dem 26-Jährigen gelang die Flucht - Bei der Verfolgung wurde auch ein völlig unbeteiligter Tunesier angeschossen. Der Flüchtende konnte sich zu seiner Freundin nach München absetzen, wo wenige Wochen späterendgültig die Handschellen klickten.

Absichtlicher Schuss ins Knie

"Seine Darstellung, er hätte dem Beamten absichtlich nur in den Oberschenkel geschossen, lässt sich schwer widerlegen", erklärte die zuständige Wiener Staatsanwältin am Donnerstag im Gespräch mit der APA.

Wie sich herausstellte, wird der Man auch in Serbien zur Verbüßung einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Mordes gesucht. Im Zuge einer Bandenfehde hatte er angeblich einen Kontrahenten getötet. Die Behörden in Belgrad haben bereits die Auslieferung des 27-Jährigen beantragt. Der Mann soll ein Mitglied der berüchtigten Zemun-Mafia sein. Dieser Gruppierung wird unter anderem die Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic zugeschrieben. (APA)

Share if you care.