Ungarische Notariate archivieren elektronisch

8. April 2004, 13:38
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Seit Anfang Jänner 2004 ist das elektronische Urkundenarchiv cyberDOC bei den Notaren Ungarns in Betrieb

In Österreich ist die Hochsicherheitslösung bereits seit September 2001 im Einsatz. Die durch Siemens Business Services (SBS) und die Österreichische Notariatskammer (ÖNK) realisierte Lösung war europaweit das erste elektronische Archiv für notarielle Urkunden und wird durch die "cyberDOC Gesellschaft für Digitale Kommunikation im Notariat GmbH" betrieben. Diese ist ein Joint Venture von ÖNK und SBS.

Gleiche Ausgangslage

Das Projekt in Ungarn wurde von Siemens gemeinsam mit der cyberDOC GmbH realisiert. Die Lösung wird von SBS Ungarn als "Application Service Providing (ASP)"-Modell betrieben.

Die Ausgangslage war in Ungarn und Österreich gleich: Alle notariellen Unterlagen lagern in Papierform in Notariaten und Gerichtsarchiven. Da diese Urkunden zeitlich unbefristet aufbewahrt werden müssen, entsteht ein ständig wachsendes Platz- und Kostenproblem. Die Österreichische Notariatskammer entschied sich daher bereits vor einigen Jahren für ein zentrales elektronisches Archiv.

Schon wenige Monate nach der cyberDOC-Inbetriebnahme in Österreich überzeugte sich die ungarische Notariatskammer Magyar Országos Közjegyzöi Kamara (MOKK) davon, dass diese Lösung auch für Ungarn passend ist.

Abweichungen zwischen den beiden Ländern bestehen hauptsächlich in der unterschiedlichen Gesetzeslage und im noch höheren Dokumentenaufkommen: In Ungarn entstehen etwa 130.000 notarielle Urkunden pro Jahr, in Österreich sind es 90.000.

Anpassung

In einem etwas mehr als ein Jahr laufenden Projekt hat SBS Österreich gemeinsam mit SBS Ungarn das österreichische Urkundenarchiv exakt an die ungarischen Verhältnisse angepasst. Größtes Augenmerk galt dabei wie in Österreich dem Thema Sicherheit.

Seit Jahresbeginn werden nun alle notariellen Unterlagen Ungarns, zum Beispiel Kaufverträge, Mietverträge, Gesellschaftsverträge oder Testamente, in einem zentralen Urkunden-Server gespeichert. Die rund 270 ungarischen Notariate können papierlos elektronische Urkunden erstellen, Papierdokumente werden im Notariat eingescannt. Danach werden für alle Dokumente Schlagworte vergeben, anhand derer sie später im Archiv gesucht werden können. Anschließend signiert der Notar die Urkunde elektronisch mittels Chipkarte und sendet das Dokument verschlüsselt zum Server. Jedes Notariat kann nur auf die Urkunden seiner eigenen Kanzlei zugreifen.(red/DER STANDARD, Printausgabe vom 1.4.2004)

  • Artikelbild
    foto: siemens
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