Schanghai und der Riesenhype

20. April 2004, 11:45
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China stampft eine gigantische Anlage aus dem Boden und das ahnungslose Volk wird auf die Königsklasse heiß gemacht

Schanghai - Während die Rennstrecke im Wüstenstaat Bahrain am kommenden Wochenende ihre GP-Premiere erlebt, wird die Fertigstellung des zweiten neuen GP-Circuits in Schanghai noch etwas dauern. Derzeit ist man mit den Bauten etwa sechs Wochen im Verzug, doch steht der Durchführung des GP von China am 26. September nichts im Wege.

Besonderheiten

Während der Kurs in Bahrain eher klein geraten ist, sind die Ausmaße in China gigantisch. Besonderheiten des über 240 Millionen Euro teuren Circuit, der nach einer Rekord-Bauzeit von nur 18 Monaten fast fertig ist, sind u.a. zwei lange Gerade, drei eingeplante Überholmöglichkeiten und zwei sehr anspruchsvolle Kurven. Eine sich verengende Schnecke, in der von Höchstgeschwindigkeiten von rund 300 kmh auf Tempo 90 heruntergebremst werden muss, und ihr Gegenstück, eine sich öffnende Kurve mit acht Prozent Quersteigung.

Lichtspiele symbolisieren Glück und Macht

In Form des Zeichens shang, das Bestandteil des Stadtnamens Schanghai ist und aufstrebend bedeutet, schlängeln sich 5,4 Kilometer Piste um künstliche Seen und an der Haupttribüne vorbei. Die Architekten haben an chinesischer Symbolik nicht gespart. Im Dach der Tribüne mit rund 30.000 Plätzen bricht sich Licht in den Macht und Glück symbolisierenden Farben gelb und rot. Für die Teamgebäude wurde ein chinesischer Garten nachgebaut. Zickzack-Stege führen über die Seen. Böse Geister sind unerwünscht.

Formel-1-Volkspropaganda

Stattdessen sollen möglichst viele Zuschauer kommen, immerhin bieten die Tribünen 200.000 Menschen Platz. Damit Chinesen sich an den im Riesenreich noch relativ unbekannten Sport gewöhnen, werden sie mit Formel-1-Übertragungen überflutet. Das chinesische Fernsehen hat sich die Rechte bis einschließlich 2010 gesichert. In einer extra produzierten Serie wurden dem Publikum kürzlich die Finessen des Rennsportes näher gebracht. Zwei junge chinesische Renntalente werden derzeit aufgebaut und von den Medien stark protegiert. (APA/dpa)

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    Rund 240 Millionen Euro kostet die neue großzügig angelegte Rennstrecke in Chinas Finanz-Metropole Shanghai.

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