"Müssen auch säen"

1. April 2004, 21:38
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Sagt Gruner+Jahr- Vorstandsvorsitzender Kundrun - Verlag investiert in neue Zeitschriften - Auslandsanteil von 63 Prozent beim Umsatz

Der Hamburger Großverlag Gruner+Jahr hat im vergangenen Jahr rund 50 Mio. Euro in neue Zeitschriften investiert und will diesen Kurs auch in Zukunft fortsetzen. "Wir können nicht nur ernten, sondern müssen auch säen", sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Kundrun am Donnerstag in Hamburg. Dazu gehöre, Neues zu wagen, Trends im In- und Ausland aufzuspüren und innovative Titel auf den Markt zu bringen. "Wir haben dafür das Geld und die Ideen", sagte Kundrun.

Beispiel "Tele 2 Semaines"

Als Beispiel für eine erfolgreiche Innovation nannte der Chef der Bertelsmann-Tochter die französische Fernsehzeitschrift "Tele 2 Semaines", die binnen kurzer Zeit eine verkaufte Auflage von zwei Mio. Exemplaren erreichte und damit zur erfolgreichsten Zeitschriften-Einführung in Frankreich überhaupt wurde. "Damit haben wir ein neues Segment der 14-tägigen Fernsehzeitschriften eröffnet", sagte Kundrun. Eine weitere Programmzeitschrift soll in der kommenden Woche auf dem französischen Markt folgen, um das neue Marktsegment möglichst breit zu besetzen.

63 Prozent Auslandsanteil

Mit einem Auslandsanteil von 63 Prozent am Umsatz sieht sich Gruner+Jahr (G+J) als internationalster Zeitschriftenverlag der Welt. Der Großverlag verdient sein Geld überwiegend durch Anzeigenerlöse (39 Prozent des Umsatzes), den Verkauf der Zeitschriften (32 Prozent) und Druckereigeschäfte (19 Prozent). Durch Währungseinflüsse und den Verkauf von Objekten ging der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr von 2,8 auf 2,5 Mrd. Euro zurück. Die Umsatzrendite erhöhte sich jedoch von 8,3 auf 9,6 Prozent.

"Ohne verlegerische Investitionen in neue Titel hätten wir 12,1 Prozent Rendite, aber eben auch nicht das Wachstum der Zukunft", sagte Kundrun. Der operative Gewinn (EBITA, vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Firmenwerte) von 238 (Vorjahr: 234) Mio. Euro sei sehr zufrieden stellend.

Keine Anzeichen für kraftvollen Aufschwung

Der Anzeigenmarkt in Deutschland hat nach Einschätzung des G+J-Chefs zwar seit längerem seinen Tiefpunkt erreicht, Anzeichen für einen kraftvollen Aufschwung seien noch nicht auszumachen. G+J habe seinen Anzeigenumsatz im abgelaufenen Jahr vor allem durch neue Objekte steigern können und seine Marktführerschaft auf dem deutschen Anzeigenmarkt ausgebaut. "Der Marktanteil entwickelt sich erfreulich", sagte Kundrun. Besonders ermutigend sei die Entwicklung bei der Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland", die allein im 1. Quartal 2004 bei den Anzeigenbuchungen um mehr als 30 Prozent zulegte und sich innerhalb ihres Budgets entwickle. (APA/dpa)

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