Hintergrund: Welche Kosten auf Patienten zukommen könnten

26. April 2004, 17:21
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Vertragsloser Zustand: Versicherte müssen beim Arzt zahlen und erhalten 80 Prozent von der Kasse zurück

Wien - Zu einem vertragslosen Zustand zwischen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse (WGKK) ist es in Wien erst ein einziges Mal gekommen, und zwar im Jahr 1962. Negative Auswirkungen hat ein solcher Zustand, der jetzt wieder bevorstehen könnte, vor allem für die Patienten der 1.800 niedergelassenen Kassenärzte (mit Ausnahme der Zahnärzte) in Wien: Sie müssten beim Arzt bezahlen und die Rechnung danach bei der Kasse einreichen.

Refundiert bekämen sie lediglich 80 Prozent der Kosten laut Honorarkatalog. Die Kasse würde dabei monatlich Millionen an Rechnungen zu bearbeiten haben. Auch Krankschreibungen und Kassenrezepte wären nicht mehr beim Arzt, sondern nur noch in den Bezirksstellen der Krankenkasse erhältlich. Gestrichen würden außerdem die Leistungen des Ärztefunkdienstes in der Nacht um am Wochenende.

Bereits im Vorjahr hatte sich die Wiener Ärztekammer für einen vertragslosen Zustand gerüstet, nachdem die WGKK den alten Vertrag am 30. September 2003 mit Jahresende gekündigt hatte. Im November präsentierte die Kammer dann verbindliche Honorarrichtlinien für die ärztlichen Einzelleistungen, die generell 20 Prozent höher lagen, als die damaligen WGKK-Tarife.

Auch jetzt könnten diese Tarife bei einem vertragslosen Zustand wieder schlagend werden. Vorher muss allerdings noch die Bundesschiedskommission tagen, und die kann den alten Vertrag noch um weitere drei Monate verlängern. Einige Honorarbeispiele aus dem Handbuch, das die Ärzte von der Kammer erhalten haben:

- Administrative Ordination (z.B. Rezeptausstellung): fünf Euro - Ordination: zehn bis 30 Euro

- Hausbesuch am Tag: 40 Euro

- Injektionen: fünf bis sieben Euro

- Infusion: 25 Euro

(APA)

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