Synthetisches Miniprotein als Modell zur Erforschung krankhafter Eiweißablagerungen

6. April 2004, 15:25
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Dem komplexen Prozess der Faserbildung auf der Spur

Zürich - Forscher des Paul Scherrer Instituts (PSI) in Villigen (Schweiz) haben ein Modellsystem entwickelt, mit dem die Bildung von krankhaften Eiweißablagerungen im Reagenzglas studiert werden kann. Krankheiten wie Alzheimer, Creutzfeldt-Jakob oder Diabetes Mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) hätten eines gemeinsam, in betroffenen Organen könnten abgelagerte Proteinfasern nachgewiesen werden, so das PSI. So seien bei verstorbenen Alzheimer-Patienten so genannte amyloide Fibrillen im Hirn als "Plaque" gefunden worden. Auch in der Bauchspeicheldrüse von Zuckerkranken seien unlösliche Ablagerungen nachweisbar. Noch sei jedoch nicht im Detail bekannt, warum sich Proteine falsch falten und ablagern.

Um dem komplexen Prozess der Faserbildung auf die Spur zu kommen, habe ein Forschungsteam unter Leitung des PSI und der Universität Manchester ein einfaches Modellsystem entwickelt. Mit einem synthetisch hergestellten Miniprotein könnten molekulare Umlagerungen im Reagenzglas simuliert und studiert werden.

Das dafür eigens konstruierte Miniprotein ist bei niedriger Temperatur stabil und löslich. Wird die Temperatur erhöht, lagert es sich in unlösliche Fibrillen um, die Amyloidfibrillen aus krankem Gewebe täuschend ähnlich sind. Laut PSI ist das Modellsystem ein "wichtiger Mosaikstein" zum besseren Verständnis bisher unheilbarer Leiden. Es könne Antworten geben auf die Frage, welche Faktoren den löslichen Zustand des Miniproteins stabilisieren und welche die fibrillöse Ablagerung begünstigen. (APA/sda)

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