EZB lässt Leitzins unverändert bei zwei Prozent

20. April 2004, 10:38
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Zentralbank geht weiter von schrittweiser Konjunkturerholung aus

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Leitzinsen in der Eurozone trotz des schwächelnden Konjunkturaufschwungs konstant. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bleibt damit seit Juni 2003 unverändert auf dem historischen Tiefstand von 2,0 Prozent. "Der beste Beitrag, den wir zur Erholung der Wirtschaft leisten können, ist der Anker der Preisstabilität. Sie ist der magnetische Norden unseres Kompasses", betonte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Ratssitzung der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Die meisten Volkswirte hatten diese Entscheidung erwartet.

Der oberste Währungshüter räumte zwar ein, dass jüngste Wirtschaftsdaten "gemischt" seien. Allerdings ändere dies nichts an der Gesamteinschätzung der EZB, dass sich die Konjunktur Schritt für Schritt erhole. "Wir sind nicht blind, wir sind nicht taub, wir beziehen alles in unsere Analyse ein." Prominente Wirtschaftsexperten hatten sich angesichts der Daten für eine Senkung ausgesprochen.

"Schauen uns die Situation immer von Monat zu Monat an"

Trichet nannte das Zinsniveau im Gegensatz zu früheren Mitteilungen nicht mehr "angemessen", sondern "in Übereinstimmung" mit dem Erhalt von Preisstabilität in der Eurozone. Allerdings bedeute auch die Formulierung "angemessen" keinesfalls, dass die EZB ihre Einschätzung in Zukunft nicht ändern werde. "Wir schauen uns die Situation immer von Monat zu Monat an", betonte Trichet. Die Zinsen könnten nach oben oder nach unten gehen.

Eines der größten Risiken für die weitere Entwicklung bleibe die Konsumschwäche im Euroraum. Trichet hatte bereits vor einem Monat die Bürger aufgefordert, zu konsumieren und zu investieren. Die EZB sorge mit stabilen Preisen dafür, dass ihre Kaufkraft erhalten werde. Größere Auswirkungen der Terroranschläge von Madrid auf das Verbrauchervertrauen seien bisher nicht festzustellen. Der Präsident erneuerte seinen Aufruf an die Regierungen, Strukturreformen zügig umzusetzen und dabei das Tempo zu beschleunigen.

Inflationsrate im angestrebten Rahmen

Die europäische Inflationsrate liegt derzeit mit 1,6 Prozent in dem von der EZB angestrebten Rahmen von knapp unter zwei Prozent. In den nächsten Monaten sei ein leichter Anstieg möglich. Einflüsse wie steigende Ölpreise würden laufend beobachtet. In den vergangenen Monaten hatten Politiker mehrfach Zinssenkungen gefordert, um den Höhenflug des Euro zu bremsen. Der EZB gelang es jedoch, dieses Ziel mit so genannten verbalen Interventionen zu erreichen.

Die Wirkung von Zinssenkungen ist bei Volkswirten umstritten. Nach einer Analyse der HypoVereinsbank würde beispielsweise ein Schritt um 0,5 Prozentpunkte nach unten im Mai in der Eurozone und in Deutschland zum Wirtschaftswachstum nur 0,1 Prozentpunkte in diesem und 0,3 Prozentpunkte im nächsten Jahr beitragen. Unter Einbeziehung der Inflation liegen die Leitzinsen nach Angaben von EZB- Chefvolkswirt Otmar Issing ohnehin "bei null". Aus diesem Grund hatten zahlreiche seiner Kollegen bis vor wenigen Wochen noch mit einer Erhöhung als nächstem Zinsschritt gerechnet, falls der Aufschwung an Fahrt gewinnt.(APA/dpa)

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