Österreichische Frauenhäuser verzeichnen Anstieg an Schutz Suchenden

22. April 2004, 20:27
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Jede fünfte Frau einmal im Leben Opfer von Gewalt durch männlichen Angehörigen

Wien - 2.620 Frauen und Kinder haben in Österreich im Jahr 2003 in 20 autonomen Frauenhäusern Schutz und Unterkunft gefunden. Das entspricht einer Steigerung um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus der jüngsten Statistik des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser hervorgeht. Nach wie vor ist das eigene Zuhause der gefährlichste Ort: Laut Schätzungen wird jede fünfte Frau in Österreich einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch einen nahen männlichen Angehörigen.

Je älter desto schwerer

Rund 70 Prozent der Opfer, die 2003 ein Frauenhaus aufgesucht haben, waren 20 bis 40 Jahre alt. Jüngere sind keineswegs häufiger von Gewalt betroffen als ältere. Der Weg aus einer Gewaltbeziehung wird mit zunehmendem Alter aber immer schwieriger: Ökonomische Abhängigkeit, sinkende Chancen auf dem Arbeitsmarkt und traditionelle Wertvorstellungen spielen hier eine große Rolle.

Auch im Jahr 2003 hat die Mehrheit das Frauenhaus für einen befristeten Krisenaufenthalt genützt: 21 Prozent sind ein bis drei Tage geblieben, sieben Prozent haben sechs bis zwölf Monate in einem Frauenhaus verbracht. Meist ist der Aufenthalt mit maximal einem Jahr befristet.

1.285 Kinder wurden 2003 in den autonomen Frauenhäusern mit ihren Müttern aufgenommen. Für ihre Betreuung stehen eigens ausgebildete Mitarbeiterinnen zur Verfügung.

Burgenland Nachzügler

In Österreich gibt es derzeit 21 autonome Frauenhäuser (mit insgesamt 550 Plätzen), die von parteiunabhängigen, konfessionslosen Trägerorganisationen geführt werden. Erst im Jänner dieses Jahres konnte die jüngste Schutzeinrichtung ihre Tore für Gewaltopfer öffnen: Mit einer entsprechenden Einrichtung in Eisenstadt verfügt nun auch das Burgenland als letztes Bundesland in Österreich über ein eigenes Frauenhaus.

Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser hat "trotz langjähriger Bemühungen" keinen Vertrag mit dem Bund, und somit keine Garantie auf mehrjährige Finanzierung, heißt es in der Aussendung. Besonders für den 24-Stunden-Betrieb der im Verein angesiedelten Helpline 0800/222-55 sei eine vertragliche Absicherung aber unbedingt notwendig. (APA)

  • 2003 suchten mehr Frauen Schutz in einem Frauenhaus als das Jahr davor.
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