Mannesmann-Prozess: SPD-Vize warnt Gericht vor Freisprüchen

5. April 2004, 10:18
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Auch Kleinaktionäre überrascht von Zwischenbilanz

Nach der für die Angeklagten entlastenden Zwischenbilanz im Mannesmann-Prozess hat SPD-Fraktionsvize Michael Müller das Gericht eindringlich vor einem Freispruch gewarnt. "Wenn die Angeklagten tatsächlich freigesprochen werden, halte ich das für eine Sauerei", sagte Müller der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe). "Da muss man sich doch an den Kopf fassen."

"Immenser Schaden"

Die Angeklagten hätten einen "immensen Schaden" angerichtet. Sie hätten nicht nur dazu beigetragen, den Traditionskonzern Mannesmann zu beseitigen, sondern auch die Kluft innerhalb der Bevölkerung zu vergrößern, sagte Müller. "Die Menschen sagen doch jetzt, die Kleinen hängt man, die Großen machen das Victory-Zeichen", sagte Müller in Anspielung auf den ersten Auftritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor Gericht.

Überrascht von der am Mittwoch gezogenen Zwischenbilanz, nach der die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer bisher keine Grundlage für eine strafrechtliche Verurteilung der sechs Angeklagten sieht, zeigte sich auch Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK).

"Ich kann das nach diesem Prozessverlauf nicht nachvollziehen. Das ist kein gutes Ergebnis", sagte SdK-Vorstand Keitel. Es sei unverständlich, dass "klare Verstöße gegen das geltende Recht nun offensichtlich ungesühnt bleiben". Der Mannesmann-Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht wurde am Donnerstag fortgesetzt.(APA/AFP)

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    foto: epa/franz peter tschauner
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