US-Regierung kritisiert OPEC-Entscheid

9. April 2004, 15:48
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Energieminister von Fördermengenpolitik enttäuscht - Benzinpreis als Reizthema im Wahlkampf - Senator Schumer: "Was das Öl betrifft sind die Saudis längst nicht mehr unsere Freunde"

Washington - Die US-Regierung hat den Beschluss der OPEC zur Umsetzung der geplanten Senkung der Fördermengen öffentlich kritisiert. Damit wich Washington von dem bisher verfolgten Kurs einer stillen Diplomatie gegenüber dem Kartell der Erdöl produzierenden Länder (OPEC) ab.

Abraham will abfedern

US-Energieminister Spencer Abraham sagte am Mittwoch in Washington, er sei "enttäuscht" von der Entscheidung der OPEC-Mitglieder in Wien am Mittwoch. Zugleich kündigte er an, die US-Regierung werde versuchen, die Folgen der Drosselung der Fördermengen für die Verbraucher abzufedern. "Diese Regierung setzt sich aktiv für die Interessen der US-Bevölkerung ein und unterstreicht gegenüber den starken Produzenten, dass hohe Energiepreise unakzeptabel sind", sagte er.

Die Benzinpreise sind inzwischen zum Reizthema im Wahlkampf in den USA geworden. Im Blick auf das OPEC-Treffen in Wien hatten Dutzende Senatoren der Demokraten an Präsident George W. Bush geschrieben und von ihm mehr Druck auf die OPEC verlangt.

"Saudis längst nicht mehr unsere Freunde"

Nachdem sich Saudiarabien entgegen den Erwartungen in Wien nicht für einen Alternativkurs eingesetzt hatten, erklärte der New Yorker Senator Charles Schumer, was das Öl betreffe, seien "die Saudis längst nicht mehr unsere Freunde". Das hätten die regierenden Republikaner offenbar nur noch nicht begriffen.

Die OPEC hatte am Mittwoch beschlossen, die geplante Senkung der Förderquoten in vollem Umfang umzusetzen. Demnach soll die Messlatte für die Produktionshöchstmenge wie angekündigt ab April um vier Prozent reduziert werden, um einem befürchteten Preiseinbruch im Frühjahr entgegenzuwirken. Mit dem Beschluss setzte sich die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) über Bedenken aus den großen Industrieländern hinweg, die in den hohen Energiekosten ein Hindernis für die erhoffte konjunkturelle Belebung sehen. (APA/Reuters)

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    Benzinpreise als Reizthema im US-Wahlkampf: Demokraten üben Druck auf Bush aus, mehr Druck auf dei OPEC auszuüben

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