Singvögel haben das "Sprachgen"

6. April 2004, 15:15
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FOXP2-Gen bei Zebrafinken in sehr ähnlicher Form wie beim Menschen vorhanden

Berlin - Berliner Max-Planck-Wissenschaftler haben gemeinsam mit Forschern der amerikanischen Duke University das sogenannte "Sprachgen" des Menschen in sehr ähnlicher Form auch bei Zebrafinken nachweisen können. Das FOXP2-Gen, dessen Mutation beim Menschen zu einem spezifischen Sprachproblem führt, spielt offensichtlich bei Zebrafinken eine wesentliche Rolle beim Lernen von Gesängen. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sind in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Journal of Neuroscience" erschienen.

Mutationen des FOXP2-Gens führen bei Menschen zu Artikulationsstörungen sowie zu Problemen mit dem Sprachverständnis. Offensichtlich besitzt dieses Gen eine zentrale Funktion bei der Entwicklung der Sprachfähigkeit. Die Neurobiologen konnten nun zeigen, dass auch beim von Gesangslernen Vögeln FOXP2 eine Schlüsselrolle spielt: Die Wissenschaftler entdeckten eine nahezu identische Version dieses Gens und konnten anschließend das entsprechende Protein in genau jenen Hirnregionen nachweisen, die maßgeblich am Gesangslernen beteiligt sind.

Vergleich zwischen Mensch, Menschenaffe und Tier

Bereits 2002 hatte eine Arbeitsgruppe um Svante Päaboo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig die DNA-Sequenz des intakten FOXP2-Gens beim Menschen mit der Sequenz von Menschenaffen sowie Mäusen verglichen. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass das menschliche FOXP2-Gen eine ganz spezifische Sequenzvariation aufweist, die sie bei den anderen Spezies nicht nachweisen konnten.

Die Forscher nehmen an, dass diese geringfügige Änderung im Zuge der Evolution eine ganze Kette von weiteren Änderungen nach sich gezogen haben könnte, da das Gen auch eine "Bauanleitung" für einen Transkriptionsfaktor bereitstellt. Die Forscher fanden Hinweise dafür, dass die menschliche Form von FOXP2 für seinen Träger vorteilhaft gewesen sein muss und daher vermutlich maßgeblich mit der Entwicklung der menschlichen Sprache verknüpft ist, berichtet die Max-Planck-Gesellschaft.

Lernmuster

Im Gegensatz zu Mäusen und Menschenaffen lernen zahlreiche Vogelarten ihre Gesangsmuster ähnlich wie Menschen das Sprechen. Forschungsleiterin Constance Scharff vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik wollte daher herausfinden, ob die beim Menschen gefundene Sequenzvariation in FOXP2 auch bei Gesang lernenden Vögeln existiert. Dabei kam sie zum Ergebnis, dass das FoxP2-Gen beim Zebrafinken dem des Menschen sehr ähnelt, allerdings nicht die beim Menschen gefundenen charakteristischen Sequenzvariationen aufweist.

"Offensichtlich ist diese Veränderung nicht zwingend erforderlich für das Gesangslernen, zumindest nicht bei Vögeln oder es gibt eine andere Variation im Singvogel-Gen, die dazu geführt hat, dass diese Fähigkeit entwickelt wurde ", so Scharff. In Zusammenarbeit mit den Leipziger Wissenschaftlern will die Forscherin herausfinden, ob ein Sequenzvergleich zwischen dem FOXP2-Gen von Gesang lernenden und nicht lernenden Arten Unterschiede zu Tage fördert, analog zu denen zwischen Mensch und Schimpanse. (pte)

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