EU-Studie: Antisemitismus in Österreich

7. April 2004, 20:24
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Tabu gegenüber Antisemitismus wird schwächer - Fehlende Dokumentation bemängelt - die Studie zum Download

Wien - Der am Mittwoch in Straßburg präsentierte Antisemitismus-Bericht der in Wien ansässigen Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) befasst sich mit der Situation in den 15 EU-Staaten in den Jahren 2002 und 2003. In den Schlussfolgerungen über Österreich heißt es:

Die Autoren der Studie "beschreiben die Schwierigkeit, einen präzisen Überblick über den Antisemitismus (in Österreich) zu geben, da keine speziellen Institutionen existieren, die Zwischenfälle systematisch aufzeichnen.

108 Fälle im Jahr 2003

Darüber hinaus gibt es keine widerspruchsfreien Berichte über Beschwerden, die rassische Diskriminierung im Allgemeinen und Antisemitismus im Besonderen betreffen. Eine NGO (Forum gegen Antisemitismus) berichtet über mehr Zwischenfälle als offizielle Quellen, wobei sich ein offensichtlicher Anstieg antisemitischer Vorfälle um 70 Prozent im Jahr 2003 verglichen mit 2002 ergibt. Insgesamt 108 Fälle wurden 2003 gemeldet. Es gab zwei registrierte Fälle extremer gewaltsamer Attacken im Jahr 2003 und zwei weniger schwerwiegende Angriffe.

Vandalismus

Es gab weiters verschiedene Beschädigungen an Synagogen und Vandalismus auf Friedhöfen. Die häufigste Form von antisemitischen Übergriffen gab es jedoch in Form von beleidigendem Verhalten und Schmierereien. Eine Meinungsumfrage aus den späten 1990er Jahren zeigte, dass 19 Prozent (der Österreicher) stark oder sehr stark zum Antisemitismus neigen."

Die AutorInnen der Studie "kommen zur Schlussfolgerung, dass in Österreich das Tabu gegenüber dem Antisemitismus schwächer wird, aber noch nicht verschwunden ist und heute eher eine verschleierte, kodierte Form des Antisemitismus verbreitet ist. Gewaltakte sind relativ selten. Es scheint, dass der österreichischen Antisemitismus eher durch diffuse und traditionelle antisemitische Klischees gekennzeichnet ist als durch physische Aggression." (APA)

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