Knalleffekt im Mannesmann-Prozess

9. April 2004, 15:40
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Ackermann vor Gericht entlastet

Düsseldorf/Berlin - Im Mannesmann-Verfahren, bei dem die deutsche Wirtschafts- und Gewerkschaftselite vor Gericht steht, gab es am Mittwoch einen Knalleffekt: Die Angeklagten sind nach Ansicht von Richterin Brigitte Koppenhöfer in wesentlichen Punkten entlastet worden. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser rechnet nun mit einem Freispruch.

Keine strafrechtlich relevanten Verstöße

Koppenhöfer sagte nach einem so genannten Rechtsgespräch mit den Prozessbeteiligten am Mittwoch in Düsseldorf, zwar hätten die Beteiligten in einigen Punkten gegen das Aktienrecht verstoßen, doch seien ihnen Verstöße gegen die strafrechtlich relevanten Vorwürfe der Untreue nicht nachzuweisen. Ein Gerichtssprecher sagte, damit müssten die Angeklagten, unter ihnen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der frühere IG-Metall-Boss Klaus Zwickel, nur mit zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen. In Deutschland ist die Möglichkeit eines so genannten Rechtsgesprächs vorgesehen, wonach nach der Hälfte der Verhandlungstage eine Art Fazit über den bisherigen Verlauf des Verfahrens gezogen wird. Die Staatsanwaltschaft kündigte am Mittwoch an, er halte an der Anklage fest.

Gemeinschaftliche Untreue

Esser, Ackermann und Zwickel sowie drei Manager müssen sich wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe vor Gericht verantworten. Zwickel und Ackermann waren Aufsichtsräte von Mannesmann. Sie sollen die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 genutzt haben, um Managern und Exvorständen Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD Printausgabe, 1.4.2004)

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