Vier neue Alben, passend zur Wetterlage

6. April 2004, 21:29
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Von Cypress Hill, von Howie Day, von den North Mississippi Allstars und von Legenden des Labels New Rose

CYPRESS HILL
Till Death Do Us Part
(Sony)
Der Umstand, dass wach bei den US-Rappern Cypress Hill sehr oft weich - wie in weich geraucht - bedeutet, war ihren letzten Alben bis hin zur (Unter-)Durchschnittlichkeit anzumerken. Till Death Do Us Part beginnt zwar ebenfalls programmatisch mit dem Entflammungsgeräusch einer selbst gerollten Hobbygärtnerernte, das folgende Werk zählt jedoch mit zum Besten, was Cypress Hill je produziert haben - von einer seiner Natur nach etwas enervierenden Ragga-Nummer einmal abgesehen. Keine vier Mal ums Eck gedachten Breakbeats bocken hier: Es dominieren simpel gehaltene und darin bestechende Tracks, die ihre Zugaben bei Dub und den Punk-Göttern The Clash ebenso ausleihen wie bei den morbid-sakral anmutenden HipHoppern Mobb Deep, deren eine Hälfte, Prodigy, hier einen Gastauftritt absolviert. Ansonsten näselt der langsam aber sicher in seine Oversized-Sportklamotten reinwachsende B-Real seine Raps so frisch, als würde er neuerdings nur noch Casablanca Light inhalieren. Tolles Album.

HOWIE DAY
Stop All The World Now
(Sony)
Irgendwo auf dieser Welt regnet es immer. Musik für pfützennasse Sneaker, durchweichte T-Shirts und eher Hängeschultern als Fitnessstudio-Cornettos spielt Howie Day. Trotz des in Erbfolge von Tim Buckley stehend Gesangs neigt der Jungspund eher zu Mid- und Uptempo-Songs, in denen er mit verwandt klingenden, ebenfalls gerne halbakustisch instrumentierenden Bands wie Starsailor oder Travis locker gleichzieht: also nicht zu Tode betrübt und waschlappig ohne Ende, sondern durchaus fähig, auch Sonnenstrahlen etwas abgewinnen zu können, wie der geheime Hit des Albums You & A Promise nachdrücklich beweist.

NORTH MISSISSIPPI ALLSTARS
Polaris
(Cooking Vinyl/Hoanzl)
Die beiden Söhne des legendären Produzenten Jim Dickinson und ein Spross des räudig-genialen Blues-Opas R.L. Burnside jammern hier quasi genetisch bedingt zwischen Ry Cooder-Frühwerk (Rock in Schräglage), weißem Blues samt schwarzem Rap, also mit notenfauler Slide-Gitarre und großer Klappe. Hin und wieder entkommt den Allstars ein Black-Sabbath-Riff, oder sie schütteln einen Bauern-Boogie aus dem Handgelenk. Sehr lässig, das. Einen Sixpack - schnell!

PLAY NEW ROSE FOR ME
Various Artists
(Ixthuluh)
Einen seiner legendären Sampler veröffentlicht das französische Label New Rose nun auf CD wieder. Die Vorgabe: Alle Bands covern Songs von Labelkollegen - vom Gun Club über die Cramps, von Bobby Fuller über Chris Bailey bis zu Suicide. Cowpunk trifft auf Blues, Sixties-Pop auf Bubblegum: Die dunkle, die bessere Seite der 80er-Jahre, hier ist sie! (DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2004)

Von Karl Fluch
  • CYPRESS HILL 
Till Death Do Us Part  
(Sony)
    foto: sony

    CYPRESS HILL
    Till Death Do Us Part
    (Sony)

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