Flughafen holt Hafen und ÖBB ins Boot

1. April 2004, 16:52
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Wiener Airport will Konsortium bilden, das um den Flughafen Bratislava mitbietet - Ziel ist "Vernetzung der Aktivitäten"

Wien – Der Flughafen Wien will für die Beteiligung am Flughafen Bratislava ein "Infrastrukturpaket" schnüren. Abhängig davon, wie die im Sommer erwartete Ausschreibung zur Privatisierung des Flughafens ausschaut, will der Flughafen Wien ein Konsortium bilden und gemeinsam mit der ÖBB und dem Wiener Hafen ins Rennen gehen, sagte Flughafen-Vorstand Gerhard Schmid zum STANDARD.

"Vernetzung der Aktivitäten"

Angestrebt wird "Vernetzung der Aktivitäten". Derzeit laufen mit allen Beteiligten noch Gespräche, sobald feststeht, wie die Tender-Ausschreibung der Slowakei lautet, werde man aktiv.

Wiens Finanzstadtrat Sepp Rieder will den Wirtschaftsminister gar von einer Sonderwirtschaftszone Wien–Bratislava überzeugen. Neben gemeinsamen Infrastrukturprojekten will Rieder vor allem "gemeinsame Spielregeln für Investoren und Betriebsansiedlungen". Als Beispiel nannte Rieder mit Ausnahme des Steuerrechts alle Belange des Wirtschaftsrechts, etwa das Baurecht oder Planungskriterien. Den Flughafen, den Hafen und die Bahn hält er für das "operative Herzstück einer gemeinsamen Zone".

Kein Hub für Billigflieger

Bedenken, wonach der Wiener den Flughafen Bratislava als Hub für Billigairlines positionieren würde, zerstreute Flughafen-Vorstand Schmid. Er erwartet von Bratislava aus einen Point-to-Point-Verkehr nach London, Zürich, Paris oder Frankfurt. Destinationen mit geringerer Nachfrage würden weiter ab Wien angeboten. Auch die AUA werde ihren Transferverkehr nicht von zwei Standorten aus bedienen. Schmid glaubt, dass der Transferverkehr aufgrund der kurzen Umsteigezeit weiter in Wien bleibt.

Auch das Geschäft der Billigairlines sieht Schmid differenzierter: Da gibt es die Air Berlin, die "ins Herz einer Stadt will". Andere wie Sky Europe, die extrem billig sein wollen und zeitflexible Kunden haben, für die werde Bratislava weiter erste Wahl sein.

Für Rieder auch Kooperation vorstellbar

Finanzstadtrat Rieder, der als Vertreter eines 20-prozentigen Aktienpakets am Flughafen an dessen gedeihlicher Entwicklung interessiert ist, kann sich für den Fall, dass die Wiener in Bratislava nicht punkten, auch eine Kooperation vorstellen. "Wenn die Verantwortlichen in der Slowakei etwa einem US-Investor den Vorzug geben, werden wir uns um ein Partnermodell bemühen." Rieder erwartet jedenfalls "enorm hohe Investitionen", zumal der Flughafen mitten in der Stadt liegt.

"Wenig Freude" hat Rieder mit dem Wunsch der AUA, ein eigenes Angebot für den Flughafen Bratislava abzugeben und dass somit zwei Angebote aus Österreich kommen. Das habe den "Beigeschmack, wie wenn die AUA den Flughafen unter Druck setzen will". Hier wäre eine Kooperation beider sinnvoller. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 1.4.2004)

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    Sollte ein anderer Bieter zum Zug kommt, will sich Finanzstadtrat Rieder um eine Kooperation mit Bratislava bemühen

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