Opec zieht Förderkürzung durch

5. April 2004, 14:02
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Produktion wird um eine Million Barrel gedrosselt - Weiterer Anstieg der Ölpreise erwartet, vor allem in den USA

Wien - Während am Wiener Donaukanal alles auf das Vorfahren der Karossen von elf Opec-Ölministern wartete, kam aus Houston/Texas die Meldung: Der Brand in der drittgrößten Raffinerie der USA konnte nach vier Stunden gelöscht werden. Trotzdem reagierten die Märkte, der Ölpreis stieg, da die Terrorangst weiter verunsicherte.

Reduktion auf 23,5 Millionen Barrel

Angefeuert wurden die Kurse auch durch den Opec-Beschluss, die offizielle Produktion ab 1. April um täglich eine Million Fass (je 159 Liter) zu reduzieren - auf 23,5 Millionen Barrel. Die Beschlüsse von Algier werden also umgesetzt - nach heftigen Diskussionen zwischen den Opec-Mitgliedern im Vorfeld.

Analysten erwarten einen Anstieg der Ölpreise auf eine Marke über 40 Dollar in New York, eine Grenze, die zuletzt während des ersten Golfkriegs überschritten worden war. In den USA sind die Spritpreise auf einem Rekordniveau von 1,758 Dollar pro Gallone (4,55 Liter) - und sie sind bereits Wahlkampfthema im Run um die Präsidentschaft.

Die Ursachen

Die Opec selbst macht Spekulanten für derzeit extrem hohen Preise verantwortlich. Ursachen sind aber auch, dass Länder wie China oder Indien mehr Mineralöl nachfragen als je zuvor. Darüber hinaus sind die Lager in den USA praktisch leer. Zudem müssen die Scheichs, die ihr Öl in Dollar fakturieren, mit einem starken Euro leben, Waren aus dem Euroraum wurden dadurch relativ teuer. So wurden die Preisziele höher gesteckt.

Konterkariert werden die Opec-Intentionen freilich von Russland. Im zweitgrößten Förderland nach Saudi-Arabien wurden in den vergangenen Jahren die Mengen um ein Viertel gesteigert, die Opec verliert Marktanteile. Angesichts des Ausmaßes unerschlossener Lager steigt der Einfluss Russlands. So hat man im letzten Jahr 8,4 Mio. Barrel täglich exportiert. Russland hat bisher kein Interesse an einer Kürzung gezeigt. Neben dem größten Abnehmer Europa zielt man nun auch auf Südostasien und Amerika.

Russland sucht neue Exportwege

Da Russlands bisherige Exportkapazitäten jedoch mit dem schnellen Anstieg der Fördermengen nicht mithalten können - nicht zuletzt weil sich das Pipelinenetz in staatlicher Hand befindet -, wird nach neuen Exportwegen gesucht. Neben der Erhöhung der Pipelinekapazitäten sollen Maßnahmen wie ein neuer Umschlag vom Tankschiff auf Kleinschiffe in Archangelsk oder Eisenbahntransportverträge nach China ein Exportplus von 15 Prozent heuer ermöglichen. Projekte wie eine Pipeline aus Ostsibirien nach Nachodka sind in Planung. (Leo Szemeliker, Eduard Steiner, DER STANDARD Printausgabe, 1.4.2004)

Reaktion

US-Regierung kritisiert OPEC-Fördermengenpolitik

Benzinpreis Reizthema im Wahlkampf

Nachlese

Saudis bestehen auf Kürzung der Ölförderung

Auch Algerien für Förderkürzung - Kuwait, VAE und Katar für Verschiebung
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