Die Ratte liegt zu 90 Prozent auf dem Tisch

6. April 2004, 15:15
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Genom von Rattus norvegicus weitgehend aufgeschlüsselt - drittes Säugetier nach Maus und Mensch

London - Das Genom des gemeinhin als Laborratte (lat. Rattus norvegicus) bekannten Tieres ist nach einem Bericht der britischen Zeitschrift "Nature" zu 90 Prozent entschlüsselt und wird damit weitere wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung des Erbmaterials von Säugetieren ermöglichen. "Rattus norvegicus" ist damit nach Maus und Mensch das dritte Säugetier, dessen DNA von Wissenschaftern entziffert werden kann.

Das Genom der Ratte soll nun helfen, die Gene der Spezies Mensch besser zu verstehen. Ein Vergleich der Genome von Ratte, Maus und Mensch soll ermöglichen, Entwicklungsstufen der DNA bei Säugetieren zu rekonstruieren. Doch dies sei nicht der einzige Fortschritt, versichert die Forscherin Kerstin Lindblad-Toh vom Whitehead-Institut in den USA. "Die Ratte ist auch ein wichtiges Modell, um mehr Erkenntnisse über die Physiologie des Menschen und seiner Krankheiten zu erlangen."

Zahlenvergleiche

Mit 2,75 Milliarden Basispaaren ist die DNA der Ratte zwar kleiner als die des Menschen (2,9 Milliarden) aber größer als die der Maus (2,6 Milliarden). Die Anzahl der Gene stimmt aber bei diesen drei Säugetierarten mit 25.000 bis 30.000 ungefähr überein. "Etwa 90 Prozent der Gene der Ratten haben ihre Entsprechung im Menschen und in der Maus", sagt Lindblad-Toh. Und diejenigen menschlichen Gene, die bisher mit bestimmten Krankheiten in Verbindung gebracht wurden, finden sich auch im Genom von "Rattus norvegicus". Aber Vorsicht ist geboten: Die Ratte hat offenbar mehr Gene, die für Abwehr und Entgiftung zuständig sind. Bei Medikamenten-Tests könnten Ratten also ganz anders reagieren als Menschen.

Die vollständige Entschlüsselung des Genoms steht übrigens nicht auf dem Programm von Lindblad-Tohs Forschungsgruppe. "Das wäre zu teuer und zu aufwändig", erläutert die Forscherin. "Wir stehen noch ganz am Anfang der vollständigen Genomanalyse bei Säugetieren und der komplexen Entwicklungsgeschichte im Laufe der Evolution." Jetzt sei es vorrangig, die Genome anderer Arten anzugehen: Schimpanse, Hund, Kuh und Opossum. (APA)

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