Neuer Impfstoff schützt Labormäuse gegen Sars

5. April 2004, 12:27
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Nun sollen Tests an Menschen beginnen

London - Ein experimenteller Impfstoff senkt zumindest bei Mäusen das Risiko einer Sars-Infektion deutlich. Das Forscherteam um Gary Nabel vom Vaccine Research Center des US-Gesundheitsforschungsinstitutes Niaid in Bethesda, Maryland, stellt das Vakzin gegen die lebensgefährliche Lungenkrankheit heute, Donnerstag, im britischen Fachblatt Nature vor. Es soll nun an Menschen getestet werden.

Der neue Impfstoff basiert einzig auf einem Erbgutstück des Sars-Virus, das diesem hilft, sich an Zellen seines Opfers zu binden und in sie einzudringen. Dieser Ansatz sei verhältnismäßig neu, erläutern die Forscher, die meisten anderen Vakzine benützten abgetötete oder abgeschwächte Versionen des kompletten Erregers, um eine Immunreaktion hervorzurufen.

In den erfolgen Laborversuchen habe sich gezeigt, dass das Sars-Vakzin bei den geimpften Mäusen die Produktion von Antikörpern gegen den Erreger angekurbelt und die Tiere anschließend erfolgreich vor einer Infektion mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Sars) geschützt hat. Im Vergleich zu den immunisierten Mäusen seien im Organismus der nicht geimpften Kontrolltiere Millionen Mal mehr Viren nachgewiesen worden.

Anthony Fauci, Direktor des Niaid, unterstreicht die kurze Entwicklungszeit für das Vakzin: "Es liegt nur ein Jahr zwischen der Identifizierung des Sars-Coronavirus und der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes." Der Erreger wurde im April des Vorjahres entdeckt, zu dieser Zeit gab es bereits 160 Todesfälle. Während der Sars-Welle des vergangenen Jahres sind nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in fast 30 Ländern mehr als 8000 Menschen erkrankt und 800 gestorben.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass das "Sars-Coronavirus" durch eine Mutation aus jener Virenfamilie entstanden ist, die für etwa 30 Prozent aller normalen Schnupfen- und Atemwegserkrankungen verantwortlich ist. Derzeit scheint die Krankheit eingedämmt zu sein, ein erneutes Auftreten kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 4. 2004)

Vgl. "Nature", (Bd. 428, S. 561)
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