Die neuen ÖBB-Aufsichtsräte im Kurzporträt

9. April 2004, 15:36
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Die ÖBB bekommen demnach im Rahmen der Umstrukturierung gleich acht neue Kontrollorgane - prominentester unter ihnen der dreifache Formel 1-Weltmeister Niki Lauda

Wien - Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) hat am Mittwoch die neuen Aufsichtsräte für die künftige ÖBB-Holding bestellt. Die ÖBB bekommen demnach im Rahmen der Umstrukturierung gleich acht neue Kontrollorgane - prominentester unter ihnen der dreifache Formel 1-Weltmeister Niki Lauda. Vom bisherigen Aufsichtsrat verblieben lediglich Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer - nach bisherigen Plänen als neuer Präsident - und KELAG-Vorstand Herman Egger. In Folgendem die Kurzporträts der Aufsichtsräte der neuen ÖBB-Holding (in alphabetischer Reihenfolge):

Siegfried DILLERSBERGER (61) hat sich vor allem als Politiker der FPÖ einen Namen gemacht. Geboren in Kufstein studierte er zunächst Mathematik und Physik an der Universität Graz und der Universität Innsbruck und anschließend Rechtswissenschaften. 1965 promovierte er zum Doktor, 1967 trat er in die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Arthur Zambra ein. Nach der Rechtsanwaltsprüfung 1971 begann er 1973 seine selbständige Tätigkeit als Anwalt. Seine politische Laufbahn begann Dillersberger als Bürgermeister der Stadt Kufstein, dann wechselte er als freiheitlicher Abgeordneter in den Tiroler Landtag und anschließend in den Nationalrat, wo er von 1993 bis 1994 als Präsident amtierte. Am 1.1.1998 schied er aus der aktiven Politik aus.

Hermann EGGER (54), geboren in Spittal an der Drau, schlug nach dem Studium der Elektrotechnik vorerst eine akademische Laufbahn ein. 1979 promovierte er am Institut für Hochspannungstechnik und wurde Assistent an der TU Graz. 1981 wechselte er in die Privatwirtschaft als Techniker zur KELAG. Vier Jahre später wurde er Betriebsleiter der Kraftwerksgruppe beim Kärntner Energieversorger KELAG und in Folge Mitglied des KELAG-Vorstandes.

Rudolf FISCHER (50) begann nach Absolvierung der technischen Mittelschule und nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien seinen beruflichen Werdegang bei Alcatel Austria. Im Jahr 1983 übernahm er dort die Leitung des Bereiches Rechnungswesen und Steuern und 1988 zusätzlich die Verantwortung für das Controlling. 1994 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der United Telecom Investment B.B in den Niederlanden bestellt und leitete im Rahmen dieser Tätigkeit den größten alternativen Netzbetreiber in Ungarn. Seit November 1998 ist Rudolf Fischer Vorstandsdirektor der Telekom Austria AG und für den Bereich Technik und Betrieb verantwortlich. Mit Dezember 2001 übernahm er als Chief Operating Officer (COO) die Leitung des gesamten Festnetzbereichs.

Reinhard IRO (54) war nach seinem Studien der Rechtswissenschaften und der Wirtschaftsstatistik an der Universität Wien zunächst Assistent des Instituts für Zivilrecht. Zwei Jahre war er als Lektor an der Sorbonne in Paris tätig, bevor er 1975 in die Creditanstalt wechselte. Er ist Obmann der Sektion Industrie in der Wirtschaftskammer und Präsidiumsmitglied der Industriellenvereinigung Kärnten. Seit 1990 ist er Mitglied des Vorstandes der Treibacher Chemische Werke AG und seit 1994 Alleinvorstand der Treibacher Industrie AG.

Kari KAPSCH (40), geboren in Wien, studierte an der Universität Wien Physik und promovierte 1992. Nach seiner Tätigkeit als Leiter der Hybridfertigung der Kapsch AG, wechselte er für zwei Jahre zur Firma ANT (Bosch Telecom) in Deutschland. Mit seiner Rückkehr zu Kapsch AG 1990 übernahm er die Leitung des Bereiches Industrielle Elektronik. Seit 2001 ist er Mitglied des Vorstandes der Kapsch AG sowie seit Dezember 2002 Vorstandsvorsitzender der Kapsch BusinessCom AG. Daneben ist Kapsch außerdem Vorstands- und Präsidiumsmitglied der Industriellenvereinigung Wien.

Andreas Nikolaus (Niki) LAUDA (55) wurde 1949 in Wien geboren und blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Nach Absolvierung der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker entschied er sich zu einer Rennfahrerlaufbahn. Der dreifache Weltmeister stieg mit Saisonende 1985 entgültig aus dem aktiven Rennsport aus. Schon 1979 gründete er die Lauda Air als kleine Charterfirma, die jedoch Misserfolge brachte. 1990 wurde die Lauda Air an die Börse gebracht und erhielt die weltweite Linienkonzession. 1993 stieg die Lufthansa als strategischer Partner mit 26,4 Prozent via Kapitalerhöhung bei der Lauda Air ein, 1996 begann die Zusammenarbeit mit der Austrian Airlines (AUA). 1997 beteiligte sich die AUA mit fast 36 Prozent. Im Jahr 2000 zog sich Lauda schließlich in heftigem Streit mit dem AUA-Management aus der bis dahin hoch verschuldeten Lauda Air zurück und wechselte als Teamchef bei Jaguar für einige Zeit zurück in die Formel 1. 2003 kaufte er die Österreich-Tochter der insolventen deutschen Aero Lloyd und gründetet den Billigflieger "Niki", an der sich in weiterer Folge auch die deutsche Fluggesellschaft "Air Berlin" zu 24 Prozent beteiligt hat. Daneben betreibt Niki Lauda, dessen Markenzeichen noch immer ein rotes "Kapperl" ist, auch noch eine Autovermietung namens Laudamotion.

Fredmund MALIK (59) ist laut Verkehrsministerium einer der renommiertesten Managementberater und Wirtschaftswissenschaftler im deutschsprachigen Raum. 1978 habilitierte er zum Thema "Strategie des Managements komplexer Systeme" und führte seine Lehrtätigkeit an der Universität St. Gallen weiter. Von 1981 bis 1982 war er Gastdozent an der Universität Innsbruck und von 1982 bis 1989 Gastprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien. 1984 übernahm und baute er das Managementzentrum St. Gallen AG. auf. Malik ist Autor von ca. 150 Veröffentlichungen, und gilt als Berater der ÖVP.

Regina PREHOFER (47) wurde 1956 in Timelkam, Oberösterreich geboren. Nach dem Studium der Handelswissenschaften an der Universität für Welthandel studierte sie Rechtswissenschaften an der Universität Wien und schloss beide Studien mit Doktorat ab. Ihre berufliche Karriere begann sie als stellvertretende Leiterin der Abteilung Rechtsangelegenheiten in der Oesterreichischen Kontrollbank und wechselte 1987 in die Creditanstalt. 1992 wurde sie Leiterin der Hauptabteilung Außenhandels- und Internationale Projektfinanzierungen. Im November 2000 übernahm sie den Bereichsvorstand Internationale Konzerne, Corporate Finance und Außenhandel, sowie den Bereichsvorstand Firmenkunden. Seit April 2003 ist sie Mitglied des Vorstandes der Bank Austria Creditanstalt AG (BA-CA) und hat seit Jänner 2004 zusätzlich die Verantwortung für die Region Zentral- und Osteuropa (CEE).

Franz RAUCH (63) trat nach Absolvierung der Handelsschule Feldkirch und anschließender mehrjähriger Auslandserfahrung im Nahrungsmittelbereich in den elterlichen Betrieb, die Vorarlberger Rauch Fruchtsäfte GmbH, ein. 1960 übernahm er das Unternehmen als Geschäftsführender Gesellschafter und baute es zu einem Global Player aus. Franz Rauch ist als Aufsichtsratmitglied in mehreren bedeutenden österreichischen Unternehmen und in den Interessensvertretungen Wirtschaftskammer und als Mitglied des Vorstandes der Industriellen Vereinigung tätig.

Wolfgang REITHOFER (55) wurde 1948 in Wien geboren und begann nach Studien der Mathematik, Rechts- und Betriebswissenschaften seine berufliche Karriere in der Bauindustrie. Als Assistent des Vorstandes der Union Baugesellschaft avancierte er bald zum Prokuristen und wechselte anschließend zur Österreichischen Realitäten AG, wo er ebenfalls als Assistent der Vorstandes und Prokurist tätig war. Seit 1982 ist Reithofer bei der Wienerberger Baustoffindustrie AG. Eingestellt als Prokurist, zuständig für die Bereiche Personal, Recht, Controlling und Finanz-/Rechnungswesen wurde er vier Jahre später Mitglied des Vorstandes und in weiterer Folge Generaldirektor-Stellvertreter. Seit Mai 2001 ist er Vorsitzender des Vorstandes und Generaldirektor.(APA)

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