"Projekt Lindbergh"

6. April 2004, 15:26
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Studenten des Joanneum erarbeiteten einen preisgünstigen Flugsimulator

Graz - Simulatoren sind fixer Bestandteil der modernen Pilotenausbildung. Sie garantieren eine optimale fliegerische Kompetenz samt Vorbereitung auf viele denkbaren Szenarien, die sich beim Fliegen ereignen können. Dieser hohen Leistungsfähigkeit stehen ebenso hohe Kosten gegenüber. Dass ein Forschungssimulator auch mit geringen finanziellen Mitteln zu realisieren ist, beweist das "Projekt Lindbergh" am Studiengang "Luftfahrt / Aviation" an der Fachhochschule Joanneum in Graz. Das Projekt stößt nun auch auf internationales Interesse.

Bereits im Studienjahr 2001/2002 stellten die Studenten erste Überlegungen darüber an, wie ein Vorhaben dieser Größenordnung zu realisieren wäre. "Das Besondere an diesem aufwendigen Projekt ist sicherlich, dass alles im Eigenbau umgesetzt wurde", resümiert Tarkan Kahraman, der den Simulator betreut. Sämtliche Teile wurden eigenhändig verschweißt und zusammengeschraubt, wobei die Jung-Ingenieure auch auf das Know-how und die Unterstützung des Studiengangs "Fahrzeugtechnik" zurückgreifen konnten.

Der Flugsimulator aus dem Baumarkt

Die geringen Kosten des FH-Simulators erklären sich auch durch die eingesetzten Materialien, die oft aus Baumärkten stammten. Für die Darstellung der Instrumentenbretter sowie der Szenerie kommen handelsübliche Bildschirme und Video-Beamer zum Einsatz. Neben dem Microsoft-"Flugsimulator 2002" - er kann in jedem Computergeschäft erworben werden - kommt auch professionelle Software zum Einsatz, die dem Studiengang durch seine gute internationale Verflechtung von seinen Partnern zu Sonderkonditionen zur Verfügung gestellt wurde. Bemerkenswert auch der zeitliche Ablauf: Der Trainer wurde in nur wenigen Wochen im Sommer 2002 erstellt.

Bevor die zukünftigen Piloten im Cockpit des Simulators Platz nehmen dürfen, heißt es erst einmal, die theoretischen Grundlagen des Fliegens, insbesondere der Navigation, zu erlernen. In der Lehrveranstaltung "Luftfahrtnavigation" bekommen die Studierenden das notwendige Rüstzeug, das parallel in der Praxis geübt wird. Das passiert zuerst auf dem "Basis-Navigation-Trainer" (BNT), eine Art Flugsimulator fürs Wohnzimmer, bestehend aus Steuerhorn, Leistungsquadrant, Funkeinheit und Bildschirm.

Kooperationen winken

Insgesamt vier BNTs stehen für die Studierenden bereit, um die Grundlagen des Instrumentenflugs zu trainieren. Erst nach erfolgreicher Absolvierung von diversen Navigationsübungen geht's auf den "großen" Simulator - den "Advanced Navigation Trainer", kurz ANT. Das "Projekt Lindbergh" der Grazer Studenten stieß bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) im November 2003 auf reges Interesse und hat bereits weiterführende Kooperationsvorhaben mit Partnern aus dem In- und Ausland angeregt. (APA)

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