Mannesmann-Aufsichtsräte hielten Vodafone für Millionenzahler

8. April 2004, 09:20
posten

Rechtsgespräch über den weiteren Verlauf des Verfahrens am Nachmittag

Ex-Aufsichtsratsmitglieder der Mannesmann AG sind im Übernahmepoker mit Vodafone davon ausgegangen, dass der britische Mobilfunkkonzern die Millionen-Prämien an die Top-Manager von Mannesmann zahlen würde. Diesen Schluss hätten sie aus einer Erklärung des heutigen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann gegenüber den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat gezogen, berichteten zwei ehemalige Gremienmitglieder am Mittwoch im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess.

Das frühere Aufsichtsratsmitglied Rainer Schmidt betonte im Gericht: "Ich war damals wirklich überzeugt, dass Vodafone die Zahlung leistet." Allerdings sei dies wohl auf eine missverständliche Formulierung Ackermanns zurückzuführen. Objektiv habe Ackermann nach seinen Notizen lediglich gesagt, die Zahlung erfolge auf Initiative des Großaktionärs Hutchison Whampoa in Abstimmung mit dem Board of Directors von Vodafone.

Ein zweites gewerkschaftliches Aufsichtsratsmitglied, Werner Kleinhenz, berichtete, er sei schon deshalb davon ausgegangen, das Vodafone die Zahlung leiste, weil die Prämie in Britischen Pfund angegeben worden sei. "Da liegt doch auf der Hand, dass die Zahlung von Vodafone geleistet wird." Dies sei damals die Auffassung aller Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium gewesen.

Esser hatte im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone eine Erfolgsprämie von 15,9 Mio. Euro erhalten. Noch einmal die gleiche Summe ging an seine engsten Mitarbeiter.

Noch einmal eine Rolle spielte in dem Prozess am Mittwoch auch die Zeugenaussage von Vodafone-Chef Chris Gent, Esser habe in der letzten Phase der Übernahmeverhandlungen den "halbherzigen" Versuch gemacht, für sich eine Führungsposition im neuen Konzern zu sichern. Essers Verteidiger Sven Thomas betonte in einer Erklärung, dies sei nicht aus Eigeninteresse geschehen. "Esser hielt das Angebot für seine Pflicht. Die Motivation war, dass ein Kapitän nicht in schwerer See von Bord geht." Esser selbst habe den Vorgang auch nie verheimlicht, sondern sogar selbst darüber in einem Zeitungsinterview im Februar 2000 berichtet.

Am frühen Nachmittag soll der Mannesmann-Prozess mit einem Rechtsgespräch der Kammer mit Verteidigung und Staatsanwaltschaft fortgesetzt werden. Dabei sollen der bisherige Stand und der weitere Verlauf des Verfahrens beraten werden. Dies gilt als mögliche Zäsur im spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren der Bundesrepublik.

Esser und Ackermann müssen sich zusammen mit dem früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie zwei weiteren Managern vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen die 180 Mrd. Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 genutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Mio. Euro zuzuschieben. (APA)

Share if you care.