Präsident deutscher Zeitungsverleger würde Pressefusionen begrüßen

20. April 2004, 20:28
posten

Deutsche Zeitungslandschaft in tiefster Krise seit 50 Jahren

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, würde Pressefusionen auf dem deutschen Zeitungsmarkt begrüßen. "Um es ganz vorsichtig zu sagen: Es ist schon wünschenswert, in bestimmten Bereichen zu größeren Einheiten zu kommen", sagte Heinen am Dienstagabend in Berlin. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) prüft derzeit ein entsprechendes Gesetz.

"Die deutsche Zeitungslandschaft ist in der tiefsten Krise seit 50 Jahren, und wir sind da noch nicht am Ende", sagte Heinen. Er appellierte an die Tageszeitungen, im multimedialen Wettbewerb nicht zu sehr auf die Regionalisierung zu setzen. "Der Leser ist ein ganzheitliches Wesen." Wer die Fernsehnachrichten verpasst habe, wolle immer noch aus der Zeitung erfahren, was denn auf der Welt passiert sei. Heinen: "Man darf sich da als Blatt nicht zu sehr auf die Überregionalen verlassen und immer weiter das Lokale stärken."

Leseverhalten als Bedrohung

Die größte Bedrohung für die Zeitungen sei nicht das Internet und die großen Teile der dort hin verlagerten Anzeigen, sondern das Leseverhalten selbst: "Wir werden irgendwann 30 Prozent der Bevölkerung haben, die gar nicht mehr lesen können."

Kritisch bewertet Heinen den geplanten Einstieg einer SPD- geführten Holding bei der "Frankfurter Rundschau": "Es ist uns allen unwohl dabei." Wenn man ein solches Projekt inhaltlich parteinah betreibe, komme man nicht sehr weit.

Heinen war am Dienstagabend Ehrengast der 75. Oberkasseler Gespräche, einer Veranstaltung des Verbandes der Cigarettenindustrie (vdc). (APA/dpa)

Share if you care.