Chaos Computer Club ruft zum Boykott der Musikindustrie auf

13. April 2004, 10:12
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Der CCC sieht das Recht auf Privatkopie als Grundrecht

Nach dem harten Vorgehen der der deutschen Phonoverbände gegen Tauschbörsen-Nutzer – wie berichtet wurden 68 Strafanzeigen eingereicht – meldet sich nun auch der Chaos Computer Club (CCC) zu Wort.

Der CCC ruft zum Boykott der von der IFPI vertretenen Musikverlage auf.

Schadensersatzforderungen

Es kann nicht sein, dass die Musikindustrie ihre Ziele dadurch erreicht, in dem sie eine massive Panik vor immensen Schadensersatzforderungen schürt, betont der CCC. Vielmehr gehe es darum, die Nutzer von Tauschbörsen einzuschüchtern. Dies zeige sich auch bei der Kampagne der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) "Raubkopierer sind Verbrecher" . Auch hier werden bewusst juristische Falschaussagen über die Strafbarkeit von Urheberrechtsverletzungen gestreut, um den Tauschbörsen das Wasser abzugraben.

Grundrecht

Das Urheberrecht ist dem CCC kein Naturrecht, sondern ein Ausgleich dafür, dass der Urheber sein Werk der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. In erster Linie sei das Urheberrecht hierbei ein Ausfluss des Persönlichkeitsrechtes. Auch die wirtschaftlichen Verwertungsrechte werden dem Urheber zur Sicherung seiner wirtschaftlichen Existenz verliehen. Hierbei bestehen jedoch immanente Schranken. So darf das Werk für die private Verwendung frei kopiert werden. Diese auch als "fair use" bezeichnete Begrenzung ist eine Ausprägung der Informationsfreiheit und somit ein Grundrecht.

Recht auf Privatkopie

Diesen Umstand versucht die Musikindustrie durch pausenlose Kampagnen zu unterminieren, betont der CCC. Sie stellt die Privatkopie auf die selbe Stufe wie Kinderschänder und Rechtsradikale. So forderte der Vorstandsvorsitzende der GEMA auf der Popkomm, nach erfolgreichen Ermittlungsmaßnahmen im Bereich von Kinderpornographie und Nazipropaganda eine Ausweitung dieser Maßnahmen auf Tauschbörsennutzer.

Die volkswirtschaftlich eher unbedeutende Urheberrechtsindustrie will aber dem CCC zu folge noch weiter gehen. Mit der neuen Richtlinie über die Maßnahmen und Verfahren zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum des Rats der Europäischen Union (PDF) will sie das Recht erhalten, Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss und auch bei alltäglichen Verstößen durchzuführen.

Boykott

Um gegen die Entwicklung zu protestieren ruft der CCC zum Boykott der von der IFPI vertretenen Musikverlage auf. Zusätzlich hat der CCC hat zu dieser Kampagne Banner zur freien Verwendung erstellt, mit deren Hilfe Tauschbörsennutzer ihrem Unmut Ausdruck verleihen können.

Die Banner als Ansichtssache(red)

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