Rebellen in Taschkent nehmen Geiseln

1. April 2004, 11:37
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Polizisten in Sprengfalle gelockt - Wahhabiten als Urheber vermutet

Taschkent - Nach einem neuen Anschlag in der usbekischen Hauptstadt Taschkent haben Aufständische am Mittwoch eine unbekannte Anzahl an Geiseln genommen, wie die Polizei mitteilte. Laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax gab es Tote, der russische Sender Kanal 1 berichtete von drei Verletzten. Wie ein Polizeioffizier mitteilte war eine Sprengfalle detoniert, als Sicherheitskräfte ein Haus in Taschkent betreten wollten. Anschließend kam es zu einem Gefecht, bei dem die Geiseln genommen wurden. Offizielle Angaben über etwaige Opfer lagen zunächst nicht vor.

Der Polizeioffizier vor Ort sagte weiter, es werde mit den Rebellen über die Freilassung der Geiseln verhandelt. Zu dem Vorfall kam es im Bezirk Sabir-Rachimowski, einen Kilometer von dem Basar entfernt, auf dem sich am Montag ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und mehrere Personen mit in den Tod gerissen hatte. Auch zu den Gefechten zwischen Rebellen und Sicherheitskräften vom Dienstag, bei denen 23 Menschen - darunter drei Polizisten - getötet wurden, kam es in der Nähe.

Der Ort der Geiselnahme wurde weiträumig abgeriegelt. Militärlastwagen mit Soldaten fuhren vor. Die Menschen aus den umliegenden Häusern wurden in Sicherheit gebracht.

Generalstaatsanwalt Raschid Kadyrow sagte der Nachrichtenagentur ITAR-TASS, insgesamt 30 in den vergangenen zwei Tagen festgenommenen Personen werde eine Beteiligung an den Anschlägen in Taschkent sowie in der Region Buchara vorgeworfen. Die Polizei wollte zur Zahl der Festgenommenen nicht Stellung nehmen, die Fahndung dauere an.

Sie erklärte aber, bei den Festgenommenen handele es sich um Anhänger der Wahhabiten und nicht um Mitglieder der extremistischen Gruppe Hisb-ut-Tahrir, die Präsident Islam Karimow zunächst verantwortlich gemacht hatte. Die wahhabitische Glaubensrichtung des Islam dominiert auch in Saudiarabien und hat viele Anhänger in Mittelasien und im Kaukasus.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren am Mittwoch stärker als sonst. Die Brücke der Freundschaft zwischen Usbekistan und Afghanistan war für den Verkehr gesperrt. In der Hauptstadt Taschkent patrouillierten mehr Soldaten und Polizisten, es gab zahlreiche Straßensperren. (APA/AP)

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