"Streiks sind vom Tisch"

1. April 2004, 11:08
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Verhandlungen erfolgreich: AUA und Lauda Air bekommen einheitlichen Kollektiv­vertrag - Gemeinsamer Flugbetrieb ab Juni 2004

Wien - Durchbruch im AUA-Tarifkonflikt: Die Verhandlungen um einen gemeinsamen Kollektivvertrag (KV) des fliegenden Personals von Austrian Airlines (AUA) und Lauda Air sind "erfolgreich abgeschlossen": Beide Seiten haben sich am Mittwoch in den frühen Morgenstunden auf die Details eines gemeinsamen KV geeinigt. Der Einigung vorausgegangen war eine finale Marathon-Verhandlungsrunde, an der auch die Chefs der beiden Sozialpartner Fritz Verzetnitsch (ÖGB) und Christoph Leitl (Wirtschaftskammer Österreich) beteiligt waren.

Redaktionelle Endphase

"Es ist uns nun gemeinsam gelungen, auch die Details für eine substanzielle Strukturverbesserung für den Flugbetrieb von Austrian und Lauda Air umzusetzen. Es bedarf nun lediglich einer redaktionellen Endphase, um das Verhandlungsergebnis in einem neuen KV festzuschreiben. Wie geplant, wird der gemeinsame Flugbetrieb in der neuen Form voraussichtlich mit Juni 2004 operativ werden. Durch die substanzielle Veränderung des bisherigen Austrian Bord-KV konnte eine wettbewerbsfähige Voraussetzung für eine Expansion geschaffen werden", resümiert Vorstandsvorsitzender Vagn Sörensen.

Laut AUA-Betriebsratsvorsitzendem Rudolf Novak ist es gelungen, "nicht nur faire, sondern auch sozial ausgewogene Bedingungen für bestehende und zukünftige Kollegen" zu gestalten. Einem Formationsflug stehe damit nichts mehr im Wege.

"Streiks sind vom Tisch"

Mit der Einigung sind nun auch alle angedrohten Streiks vom Tisch, versicherte AUA-Bord-Spitzenbetriebsrat Wolfgang Hable am Mittwoch. "Wir haben uns gemeinsam auf ein vernünftiges Paket geeinigt, das für uns sozial ausgewogen und für den Vorstand wirtschaftlich vernünftig ist", fasste der Gewerkschafter zusammen.

Jetzt liege es am Management, die AUA wieder in den Steigflug zu führen. Und die Piloten können sich wieder auf das konzentrieren, was sie am besten können: fliegen. AUA-Chef Sörensen zeigte sich "froh, dass diese Episode der notwendigen Strukturveränderung nun gemeinsam erfolgreich abgeschlossen werden konnte und die Austrian Airlines Group sich nun mit voller Kraft den zahlreichen weiteren Herausforderungen widmen kann".

Ohne Sozialpartner nicht aus der Sackgasse

Unterschrieben wurde der gemeinsame KV, der die bisherigen Kollektivverträge von AUA und Lauda Air schon per 1. April ablösen soll, am Mittwoch gegen 4 Uhr früh in der Zentrale des Gewerkschaftsbundes ÖGB. "Ohne die Vermittlung und das Augenmaß der Sozialpartner wären die Gespräche wohl nicht aus der Sackgasse gekommen", sagte Hable.

Der AUA-Aufsichtsrat soll die Vereinbarungen in seiner ordentlichen Sitzung am Nachmittag zusammen mit dem Abschluss des Geschäftsjahres 2003 formell verabschieden. In einer "redaktionellen Phase" sollen die Bestimmungen bis zum Sommer in eine sprachliche Form gebracht werden, "dass sie die Piloten auch verstehen". Inhaltliche Änderungen werde es aber keine mehr geben.

Neues Gehaltsschema

In den "finalen Detailverhandlungen" bis zuletzt strittig waren unter anderem das neue Gehaltsschema für neu eintretende Flugbegleiter mit entsprechenden Übergangsfristen oder Arbeits- und Ruhezeitenregelungen mit kürzeren Ruhezeiten im Langstreckenverkehr. Bis zum Schluss kontroversiell verhandelt wurde auch das Gehaltsniveau für neu eintretende Co-Piloten, das mit Übergangsfristen geregelt wurde. Konkrete Details wurden vorerst nicht genannt. Es hätten aber beide Seiten gegenüber ihren ursprünglichen Positionen nachgegeben.

Beschlossen wurde auch ein Prämienmodell analog jenem für die kaufmännisch-technischen Angestellten. Wahlweise können sich die Mitarbeiter auch für eine - steuerfreie - Beteiligung am Unternehmen im Ausmaß bis zu 1.460 Euro pro Jahr entscheiden. Für das Unternehmen fallen dadurch keine Zusatzkosten an. (APA)

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    Die Verhandlungen um einen gemeinsamen Kollektivvertrag (KV) des fliegenden Personals von Austrian Airlines (AUA) und Lauda Air sind "erfolgreich abgeschlossen".

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