Apple und Adobe driften auseinander

12. April 2004, 13:50
28 Postings

Eine der erfolgreichsten Kooperationen in der IT-Branche bröckelt langsam aber stetig weg

Die Zusammenarbeit zweier Unternehmen prägte vom Anfang der PC-Ära bis heute das Bild der Branche - jene des Computerkonzerns Apple und des Software-Herstellers Adobe. Nach 20 Jahren gemeinsamer Unternehmensgeschichte scheinen sich die Firmen nun doch immer mehr von einander abzuwenden.

Pioniere

Apple und Adobe waren Pioniere auf dem Desktop Publishing Markt - der Apple galt bis vor kurzem als unverzichtbares Arbeitsgerät in der Welt der Verlage, Drucker, Setzer und PR-Firmen. Mit der Popularität von Windows wandte sich Adobe jedoch immer mehr der PC-Plattform hin und ab von Apple. Zwar war die Beziehung immer von Hochs und Tiefs geprägt, doch scheint nun eine Eiszeit ausgebrochen zu sein. Erste Anzeichen für ein Abkühlen der Beziehungen zeigten sich schon vor einigen Jahren, als Adobe bei einigen Produkten die Unterstützung für den Mac einstellte und zudem noch einige exklusive Windows-Programme auf den Markt brachte. Apple hatte seinerseits jedoch schon begonnen Adobe mit eigenen - an sein Mac OS X-Betriebssystem gekoppelten - Applikationen aus der Mac-Welt zu drängen.

"Sie haben einander gebraucht"

In einem Artikel bei CNet wird Jeffrey Tarter, Herausgeber von Softletter mit den Worten zitiert: "Die beiden Unternehmen haben einander vor 10 oder 20 Jahren dringend gebraucht, jetzt ist diese Beziehung aber nicht mehr so wichtig. Windows hat sich schlußendlich zu einer adäquaten Publishing-Plattform entwickelt". Vor allem da Fachleute auf dem Gebiet Grafik nun einfacher auf eine billigere Plattform als den Mac wechseln können, so Tarter.

"Eine großartige Beziehung"

Im vergangenen Jahr hatte Cnet bereits einmal eine Geschichte über die Apple-Adobe-Partnerschaft gebracht und zitierte den Adobe-Chef Bruce Chizen mit den Worten "Unsere Beziehung zu Apple ist großartig. Meine persönliche Beziehung zu Steve Jobs (Chef von Apple, Anm.d.Red.) ist extrem stark - wir kommunizieren regelmäßig. Wo wir im Wettbewerb stehen, haben wir uns ausgesprochen und geeinigt. Wo wir Partner sind, sind wir starke Partner. Es ist wie in einer Ehe - in guten wie in schlechten Zeiten, mit Hochs und Tiefs. Es ist eine wichtige Beziehung für beide Seiten, die es zu stärken gilt; mit dem Wissen dass es Unterschiede gibt".

Die Knackpunkte

Zu den wesentlichsten Knackpunkten zählen aus Experten-Sicht folgende Punkte:

  • der ausgelassene Support von Seiten Adobes für einige Mac-Produkte - vor allem für den FrameMaker und die Premiere Video-Editing-Software, die in starkem Wettbewerb mit Apple Final Cut-Produktlinie stand.

  • das Auftauchen vieler neuer Adobe-Produkte exklusive für Windows. So etwa die 3D-Animation-Applikation "Atmosphere", das Photoshop Album (eine entsprechende Konkurrenzversion der Consumer Foto-Applikation ist in OS X integriert) oder das Encore DVD-Authoring Paket.

  • die Veröffentlichung einer Testserie durch Adobe, die belegte, dass spezielle Adobe-Applikationen unter Windows schneller liefen als unter Mac.

  • das Fernbleiben von Adobe bei einer Vielzahl von Macworld-Events in den letzten Jahren.

    Eine langjährige Zusammenarbeit

    Die Adobe-Apple Zusammenarbeit datiert noch aus den früheren 80er Jahren, als Adobe ein PostScript entwickelt hatte. Apple nutzte diese Technologie um Marktführer im Bereich Desktop Publishing zu werden. "Adobe ist zur Zeit für Apple wichtiger als Apple für Adobe. Das ist eine Umkehr der Geschichte. Die Mac-Firma musste fürchten, dass Adobe die Plattform irgendwann verlassen wird und war so gezwungen Adobe-Killer-Software zu entwickeln", wird ein Apple-User von CNet zitiert.(red)

  • Links

    Apple

    Adobe

    • Artikelbild
      montage: red
    • Artikelbild
    Share if you care.