Gusenbauer: Broukal in "erster Reihe"

2. April 2004, 14:52
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Parteichef findet an internen Diskussionen in der Öffentlichkeit nichts auszusetzen

Wien - SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer ließ sich, Dienstag Abend im ORF-TV-Magazin "Report" zwar nicht zu direkter Kritik an den ihn in der Öffentlichkeit kritisierenden Parteigenossen hinreißen. Wissenschaftssprecher Josef Broukal, der Gusenbauers Auftreten als "vergurkt" bezeichnet und sich für Änderungen in der Parteikommunikation ausgesprochen, richtete der Parteichef aber via Fernsehen aus: wenn die SPÖ Teil der Bundesregierung wäre, wäre Broukal Minister. Das sei man aber nicht und Broukal sei - wie etwa auch Christoph Matznetter - Bereichssprecher im Parlament. "Das ist die erste Reihe, die wir zur Verfügung haben."

"Dagegen ist nichts auszusetzen"

Insgesamt habe er nichts gegen in der Öffentlichkeit ausgetragene interne Diskussionen, hielt Gusenbauer in dem Interview fest. "Dagegen ist nichts auszusetzen." Allerdings müsse man sich dann auch bewusst sein, dass es die - gerade in den öffentlichen Stellungnahmen - geforderte einheitliche Linie auch nicht gebe. Jene, die kritisieren, dürften sich also über das unterschiedliche Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit nicht wundern.

Klar stellte sich der SPÖ-Chef hinter Kommunikationschefin Katharina Krawagna-Pfeifer, die in einem Gastkommentar im STANDARD quasi Klartext geschrieben hatte. Es könne nicht sein, dass immer alles an den Mitarbeitern hängen bleibe, so Gusenbauer. Dass Krawagna-Pfeifer hier einige Dinge klargestellt habe, "war sehr wichtig".

Die frühere Journalistin hatte in dem Beitrag unter dem Titel "Eitelkeitspirouetten statt Politik" das "Gefasel" von "Großkommunikatoren", die "bereitwillig ihre Laptops anwerfen" und "ihren journalistischen Ex-Kollegen Vergurkung zuraunen", kritisiert. Damit auch sicher war, wer (also Broukal, Anm.) gemeint ist, fügte sie dabei hinzu: "Es fällt auf, dass dieses Verhalten besonders stark bei anstaltsgeschulten Männern des öffentlich-rechtlichen Funks ausgeprägt ist", die sich bloß drei Mal täglich im Auge der Kamera sehen wollen.

Auf die Frage, ob er persönlich sich für unersetzlich halte, meinte Gusenbauer: "Niemand ist unersetzlich." Jeder solle aber seine Aufgabe so gut als möglich machen. Wer hinter ihm die Nummer zwei sei? Eine solche Hierarchie gebe es in der SPÖ nicht, meinte der SPÖ-Chef und verwies auf das Präsidium. (APA)

Siehe

Eitelkeitspirouetten statt Politik

Warum selbst ernannte Großkommunikatoren SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer bewusst missverstehen - ein Kommentar der anderen von Katharina Krawagna-Pfeifer

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