Eckpunkte eines neuen Systems

28. Juli 2004, 12:15
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Wie man von der derzeitigen Struktur zum "Versorgungsmanagement" kommen könnte

Über ein "individuelles Versorgungsmanagement" schreiben Langbein und Huber in ihrem Buch. Für die dazu erforderliche Umstellung der Strukturen skizzieren sie folgende Eckpunkte:

  • Die neue Gesundheitsversicherung kostet zehn Prozent aller Einkünfte unabhängig von ihrer Quelle - also Lohn ebenso wie Gewinn oder Ertrag aus Vermögen. Dazu bedarf es keiner riesigen Umorganisierung.

    Die Betriebe rechnen wie bisher die Beiträge anteilig zu den Löhnen und Gehältern ab, die Abgaben zu den anderen Einkommensarten werden von den Finanzämtern gemeinsam mit der Steuer eingehoben. Diese Versicherung finanziert alle Leistungen statt wie bisher nur einen Teil, während rund ein Drittel intransparent aus Steuermitteln zugeschossen wird. Die zwischen Bund, Ländern und Gemeinden und den Kassen geteilte Verantwortungslosigkeit muss überwunden werden.

  • Mit den niedergelassenen Medizinern und Kliniken schließen die Krankenkassen ebenso wie mit anderen ambulanten Dienstleistern wie Physio- und Psychotherapeuten, Krankenschwestern oder Hebammen direkt Verträge ab.

    Die Kriterien für die Bezahlung werden allerdings vom Kopf auf die Füße gestellt. Grundsätzlich ist ein Zeithonorar wie überall sonst eine vernünftige Art der Abgeltung von Arbeit, die einzige Leistungskomponente, die zusätzlich berücksichtigt und bezahlt werden sollte, ist das Mehr an Gesundheit oder die schnellere und bessere Wiederherstellung der Gesundheit.

  • Statt des Herumirrens zwischen den einzelnen Anbietern muss ein Prozessmanagement entlang der Behandlungswege von Patienten - unabhängig davon, ob diese in einer Klinik, Reha-Einrichtung, vom niedergelassenen Mediziner oder Therapeuten erbracht wird - eingerichtet werden. Mit der elektronischen Patientenakte, über die nur der Patient Verfügungsgewalt hat, kann maximale Transparenz geschaffen werden.
  • Ständiges Qualitätsmanagement und die Veröffentlichung von vergleichbaren Behandlungsergebnissen führen zu echtem Wettbewerb unter den Anbietern von Dienstleistungen.
  • Piloten verlieren ihre Flugberechtigung, wenn sie nicht alle fünf Jahre eine bestimmte Anzahl von Flugstunden und die Absolvierung bestimmter Fortbildungskurse vorweisen können. Das sollte in Zukunft bei Medizinern und in den weiteren Gesundheitsberufen nicht anders sein.

    Von Verwertungsinteressen unabhängige Informations- und Fortbildungseinrichtungen müssen das Mindestmaß an Fort- und Weiterbildung definieren. Jeder Angehörige eines Gesundheitsberufs muss innerhalb von fünf Jahren das für ihn festgelegte Minimum an Bildungseinheiten und Qualitäts-Checks absolviert haben, will er seine Berufsberechtigung nicht verlieren,

    Wie in den Niederlanden sollen darüber hinaus Kontrollbesuche und die Ermittlung der Patientenzufriedenheit ein Bestandteil des verbindlichen, regelmäßigen Rezertifizierungsprozesses sein.

  • (DER STANDARD; Printausgabe, 31.3.2004)
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