Forscher entschlüsseln Narben am Meeresgrund

5. April 2004, 12:13
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Hydraulic-Fracturing: Stetiger Druck zerreißt den Stein

Bremen - Bremer Wissenschaftlern vom Forschungszentrum Ozeanränder ist es gelungen, einen zyklisch auftretenden Prozess am Meeresgrund, bei dem Methan entweicht, auf die Spur zu kommen. Sie berichten im Fachmagazin Geology über das Hydraulic-Fracturing, einen Prozess, bei dem explosionsartig eine Mischung aus Schlamm, Wasser und Methan aus dem Meeresboden entweicht. Dieser hinterlässt am Meeresgrund Narben in Form von lang gestreckten Kratern.

Neues Entstehungsbild

Das 3-D-Abbild des Meeresbodens vor der kanadischen Westküste, das die Geophysiker Lars Zühlsdorff und Volkhard Spieß in ihren Studien beschreiben, hilft ein neues Bild ihrer Entstehung zusammenzusetzen. In den oberen Schichten des Meeresbodens lagern an manchen Stellen gigantische Mengen von Methan. Doch nur bei ganz bestimmten Druck und Temperaturbedingungen verbinden sich Wasser und Methangas zu einer eisähnlichen Substanz, die als Methan-Hydrat oder Methan-Eis bekannt ist. Unter der Methan-Eisschicht ist es zu warm. Dort liegt das Methangas frei vor. Forscher beobachteten immer wieder, dass freies Gas durch die darüber liegende Schicht aus Sediment und gefrorenem Gas an die Oberfläche des Meeresbodens gelangt.

Aufstiegszone samt Oberflächenkrater

Die Vorgänge rund um die Methanlagerstätten am Meeresboden stehen schon seit längerem im Interesse der Forscher. Einerseits handelt es sich bei Methan um ein 60-mal wirksameres Treibhausgas als CO2 andererseits kommt Methan am Meeresboden als Energielieferant der Zukunft in Frage. Möglicherweise gibt es sogar mehr lagerndes Methan, als alle bisher bekannten Erdöl- und Gasvorkommen zusammen. Bis jetzt ist noch nicht eindeutig geklärt, wie gasförmiges Methan aus den Tiefen des Meeresbodens ins Wasser gelangt.

"Wir haben mit Schall den Meeresboden sehr intensiv vermessen und haben aus den gewonnen Daten eine detaillierte, dreidimensionale Abbildung der Aufstiegszone samt Oberflächenkrater konstruiert. Sie zeigt erstmals deutlich geologische Strukturen, die entstehen, wenn sich eingeschlossene Gase und Flüssigkeiten unter hohem Druck gewaltsam aus der Umklammerung ihres umgebenden Gesteins befreien", so Zühlsdorff. Den Wissenschaftlern ist es damit gelungen, die Beobachtungen von Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen wie ein Puzzle zu einem Ganzen zusammenzusetzen. (pte)

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