Neue Rauchverbote rücken näher

9. April 2004, 22:16
73 Postings

Auch in Südtirol will man nun das Rauchen in Bars verbieten - in Österreich jedoch (noch) nicht ...

Auch in Südtirol will man nun das Rauchen in Bars verbieten - in Österreich jedoch (noch) nicht. Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Wanek will damit rauchende Jugendliche schützen: Sie aus den Bars auf die Straße zu drängen brächte sie nur den Drogen näher.

***

Nach Dublin soll auch Bozen rauchfrei werden: Die Südtiroler Landesregierung will bis Anfang 2005 ein Gesetz erarbeitet haben, das Rauchen in Bars und Kaffeehäusern untersagt, verkündete Landeshauptmann Luis Durnwalder am Dienstag. Das italienische Gesetz, das Rauchen nur in Bereichen mit Lüftung erlaubt, solle dabei nicht übernommen werden. Vielmehr würde das autonome Land "die wesentlichen Inhalte" mit "zumindest gleich starken Einschränkungen" auf sich "zuschneiden", sagte der Landeshauptmann.

Womit das Rauchverbot auch einen Schritt näher an Österreich heranrückt - könnte man meinen. Meint aber nicht das Gesundheitsministerium, denn: "Gesundheit bedeutet auch, keinen Alkohol zu trinken und nicht zum McDonald's zu gehen", betonte Staatssekretär Reinhart Wanek im STANDARD-Gespräch. "Wir wollen daher nicht eine Bevölkerungsgruppe durch Verbote einseitig kriminalisieren. Wenn wir das Rauchen in den Lokalen verbieten, müssten wir auch den Alkohol in Bars verbieten, denn der ist mindestens genauso schädlich." Wanek geht mit der Weltgesundheitsorganisation WHO konform, die Rauchen als Sucht und Sucht als Krankheit etabliert: "Man kann niemandem verbieten, krank zu sein oder zu werden."

Therapie auf Kasse

Für sinnvoller hält Wanek "das Prinzip des Schutzes" der Jugend und der Nichtraucher. Sinnvoll sei das jüngst diskutierte Rauchverbot an Schulen auch für Lehrer, in Spitälern und öffentlichen Gebäuden. "Wir haben ja bestehende Gesetze, die leider nur nicht umgesetzt werden", sagt er. Die Durchsetzung des Jugendschutzgesetzes, das Rauchen erst ab 16 Jahren erlaubt, sei allerdings Ländersache - "und daran müssen wir arbeiten."

Verteilte Kompetenzen sind jüngsten Berichten zufolge überhaupt das Grundproblem: Würde ein Rauchverbot an Arbeitsplätzen einführt, wären damit gleichzeitig Wirtschafts-, Finanz-, Gesundheits-, Sozial- und Unterrichtsministerium befasst. Was aber den Jugendschutz betrifft, so wäre laut Wanek ein Rauchverbot in Lokalen grundverkehrt: "Wenn wir die rauchende Jugend auf die Straße drängen, wo sie nicht überwachbar ist, ist es nur ein kleiner Schritt in die Drogenszene."

"Flankierende Maßnahmen"

Norbert Vetter, Pulmologe am Otto-Wagner-Krankenhaus auf der Baumgartner Höhe, sieht das anders: "Grundsätzlich ist jede Maßnahme, die das Rauchen einschränkt, effizient: Wenn man am Arbeitsplatz nicht mehr rauchen kann, ist es leichter, davon wegzukommen." Der Lungenspezialist plädiert jedoch für "flankierende Maßnahmen" für Süchtige - wie stationäre oder ambulante Rauchertherapien auf Krankenkasse.

Hartmut Zwick, Vorstand der Abteilung für Lungenkrankheiten am Krankenhaus Lainz, ist weniger großzügig: Therapien ja, aber nicht zur Gänze von der Krankenkasse finanziert, sagt er. "Ein Drittel sollte der Raucher selber zahlen, ein weiteres Drittel könnte aus Nicht-Krankenkasse-Mitteln kommen, wie einer Abgabe von einem Cent pro Packung Zigaretten. Nur ein Drittel sollte die Krankenkasse finanzieren." Dass Rauchen aus Bars und öffentlichen Orten verbannt gehörte, liegt für den ehemaligen Raucher auf der Hand: "Die Zahlen sprechen für sich: In Kalifornien werden seit dem umfassenden Rauchverbot 40 Prozent weniger Zigaretten konsumiert. Gleichzeitig haben sich die Nikotin-assoziierten koronaren Herzkrankheiten um fast dasselbe Ausmaß reduziert." (Eva Stanzl/DER STANDARD; Printausgabe, 31.3.2004)

Share if you care.