Natur hat Vorrang vor den Naturisten

1. April 2004, 14:25
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Auf dem "Vorarlberger Weg" werden die Natura-2000-Richtlinien zum Teil durchgesetzt

Auf dem "Vorarlberger Weg" werden die Natura-2000-Richtlinien zum Teil durchgesetzt. Doch jene Teile des Lauteracher Rieds, durch das die S18 verlaufen soll, wurden bisher trotz Aufforderung der EU nicht geschützt.

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Vorarlberg hat acht Prozent seiner Landesfläche (20.800 Hektar) als Natura-2000-Gebiete genannt. Nun geht es um die Praxis zur Theorie. Den "Vorarlberger Weg" zur Umsetzung europäischer Naturschutz-Richtlinien beschrieben am Dienstag im wöchentlichen Regierungsfoyer Landeshauptmann Herbert Sausgruber (VP) und Umwelt-Landesrat Erich Schwärzler (VP).

Man gehe "den Weg des Dialogs, nicht der Auseinandersetzung" betonten die Politiker. Trotz Dialogbereitschaft gelang in zwei strittigen Verfahren keine Einigung: Teile des Lauteracher Rieds, das nach Willen der Landesregierung durch die Schnellstraße S18 zerschnitten werden soll, wurden trotz Aufforderung durch die EU nicht nachnominiert. Das Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik steht kurz vor dem Abschluss. Georg Grabherr, Vorsitzender des Naturschutzrates: "Die Verurteilung, dass bei der Nennung nicht nach fachlichen Kriterien, sondern politischen Vorgaben vorgegangen wurde, ist mit Sicherheit zu erwarten." Landesrat Schwärzler dazu wortkarg: "Das Verfahren läuft."

Weitere Förderungen eingefroren

Abgeschlossen ist die Diskussion um das einzige LIFE-Projekt in Vorarlberg. Das Mehrerauer Seeufer wird trotz Einsprüchen einer FKK-Initiative, die sich gegen ein Badeverbot auflehnte, wie geplant saniert und partiell gesperrt.

Wie berichtet, hatte die EU-Kommission weitere Förderungen eingefroren, weil die Auflagen nach Besucherlenkung und Monitoring nicht eingehalten wurden. Außer entsprechenden Infotafeln kündigte Schwärzler, darauf bedacht, nicht von Verboten zu sprechen, auch Kontrollen an. Potenzielle (Nackt-)Bader würden durch eine "ständig anwesende Ansprechperson" über das Verhalten im Schutzgebiet aufgeklärt. (jub/DER STAMDARD; Printausgabe, 31.3.2004)

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