Diäten senken Spiegel von Glückshormonen

5. April 2004, 12:20
11 Postings

"Atkins" und Co können depressiv machen

Washington/Wien - Abnehmen ist schwierig und dass die Fasterei in der Mehrzahl der Fälle auch zu schlechter Laune führt, ist nachvollziehbar. US-Forscher am Clinical Research Center des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben nun aber herausgefunden, dass der Frust, der oft bis zur Depression führt, auch an der Diät selbst liegen kann.

Will man nämlich mit einer Methode abnehmen, die den Verzehr von Kohlenhydraten stark einschränkt, wie das beispielsweise bei der besonders in den USA verbreiteten "Atkins-Diät" der Fall ist, kann dies die Stimmung negativ beeinflussen und sich auch auf den gewünschten Gewichtsverlust kontraproduktiv auswirken. Denn wie die Forscher um Judith Wurtman beobachteten, fährt das Gehirn die Produktion des Neurotransmitters Serotonin bei mangelnder Kohlenhydrataufnahme herunter. Der Nervenbotenstoff beeinflusst unter anderem den Appetit und hat Auswirkungen auf die Gemütslage.

Schlechte Laune ohne Serotonin

Zu wenig Serotonin könnte demnach zu schlechter Laune und zu ungezügeltem Appetit führen. Für die Serotoninproduktion ist die Aminosäure Tryptophan notwendig, die über die Nahrung aufgenommen und umso besser ins Gehirn transportiert wird, je mehr Kohlenhydrate gleichzeitig aufgenommen werden. Die gleichzeitige Aufnahme von Proteinen hingegen hemmt die Serotoninproduktion. Süße oder stärkehaltige Nahrungsmittel wie beispielsweise ein Nudelgericht lassen daher den Serotoninspiegel ansteigen, Hendl mit Erdäpfeln hingegen nur wenig.

Das erklärt, warum man sich auch nach einem riesigen Schnitzel noch hungrig fühlen kann, da die Serotoninkonzentration zu niedrig ist, um ein Sättigungsgefühl auszulösen. Besonders Frauen, die von Natur aus weniger Serotonin im Gehirn produzieren als Männer, machen daher extrem eiweißreiche und kohlenhydratarme Diäten mit der Zeit sehr zu schaffen.

Kein effizienter Weg

Den dadurch entstehenden Heißhunger mit fettreicher Nahrung auszugleichen sei jedoch der falsche Weg, mache nur träge und müde und habe den gleichen Effekt wie einem durstigen Wanderer ein Bier zu geben: Es löscht nur kurze Zeit den Durst, ist aber nicht wirklich effizient.

Inzwischen mehren sich auch andere Studien, wonach eine proteinarme und zugleich kohlenhydratreiche Kost langfristig fröhlicher und ausgeglichener macht. (Andreas Grote/DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2004)

Share if you care.