EU-Parlament billigt geplante Unisex-Richtlinie

7. April 2004, 14:48
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Frauen und Männer sollen gleiche Versicherungsprämien zahlen

Straßburg - Frauen und Männer in der EU sollen künftig die gleichen Prämien für Versicherungen zahlen. Dies sieht ein Richtlinienentwurf der EU-Kommission vor, der am Dienstag vom Europaparlament in Straßburg gebilligt wurde. Danach sollen geschlechtsgebundene Tarife, etwa bei Lebens- oder Kraftfahrzeugversicherungen, künftig untersagt werden. Dagegen wehrt sich in Deutschland die Versicherungswirtschaft. Sie verweist auf die - statistisch gesehen - höhere Lebenserwartung von Frauen und das erhöhte Unfallrisiko von Männern.

Drohung der Versicherer "heuchlerisch"

Die Richtlinie solle mit "eingefahrenen und verknöcherten Ungleichheiten" Schluss machen, betonte die deutsche Grünen-Politikerin Hiltrud Breyer. Die Drohung der Versicherer, damit würden die Prämien für alle teurer, seien "heuchlerisch". In Schweden und Frankreich hätten Unternehmen, die bereits so genannte Unisex-Tarife anböten, keine wirtschaftlichen Nachteile. Kritik an den Plänen übte hingegen die CSU-Abgeordnete Angelika Niebler. Der vermeintliche Schritt zu mehr Gleichbehandlung von Männern und Frauen werde zu "Bürokratie und Kostentreiberei" führen, nicht zu mehr Gerechtigkeit."

Damit der Text in Kraft treten kann, muss er im Ministerrat einstimmig von den künftig 25 EU-Staaten verabschiedet werden. Experten rechnen mit zähen Verhandlungen, nicht zuletzt wegen der Proteste der Versicherungswirtschaft. (APA)

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